Kein gültiger Bebauungsplan

Paar aus Ippinghausen wartet seit Monaten auf das Baurecht

Wollten Weihnachten schon im neuen Haus sein: Heike Früchtenicht und Torsten Sippel auf ihrem Grundstück. Allein ein Werbeplakat ihres Fertighausherstellers weist noch darauf hin, dass hier gebaut werden soll. Rechts im Hintergrund die Weidelsburg, in der Mitte die Firma, die Blockheizkraftwerke herstellt. Foto:  Norbert Müller

Ippinghausen. Der Traum vom eigenen Haus in Ippinghausen ist für Heike Früchtenicht und Torsten Sippel zum Albtraum geworden.

Das Paar hat von der Stadt Wolfhagen einen Bauplatz gekauft, der Haken: Für das Gebiet mit seinen insgesamt elf Parzellen gibt es noch gar keinen gültigen Bebauungsplan. Das hat die Stadt allerdings nicht daran gehindert, mit der Vermarktung des Areals Vor dem Bürgel zu beginnen.

Früchtenicht und Sippel sind die ersten und bisher auch einzigen, die gekauft und auch schon bezahlt haben. 47,50 Euro für jeden der insgesamt 812 Quadratmeter. Sie wollten das Verfahren beschleunigen, sagt Heike Früchtenicht, schließlich hatten sie das Ziel, Weihnachten dieses Jahres schon im eigenen Heim zu feiern.

„Im November 2013 haben wir das Grundstück reservieren lassen. Es war als Bauland groß angepriesen“, so die 47-jährige Krankenschwester. Im Mai 2014 wurde der Kaufvertrag beim Notar unterzeichnet. Dass noch kein Baurecht bestand, war den beiden künftigen Häuslebauern klar. Seitens der Stadt sei ihnen erklärt worden, man müsse sich keine Gedanken machen, es sei reine Formsache, in Kürze werde das Baurecht erteilt. Und außerdem, sagt Torsten Sippel, gebe es im Vertrag eine Zusatzklausel. In ihr ist festgelegt, dass die Stadt zurückzahlen wird, wenn es doch wider Erwarten kein Bauland werden sollte.

Früchtenicht und Sippel zahlten am 1. Juli ihre Parzelle, seitdem geht Monat für Monat der Abtrag für das Kaufdarlehen vom Konto ab. Der Grundbucheintrag erfolgte. Die beiden bestellten ein Fertighaus, organisierten das Erstellen der Bodenplatte.

Luft- und Lärmmessungen

Dann kam die Nachricht von der Stadt, es gebe leider eine Verzögerung. Es müssten noch Luft- und Lärmmessungen unternommen werden wegen einer Firma, die Blockheizkraftwerke entwickelt und produziert, knapp 250 Meter Luftlinie entfernt.

Tausch angeboten

Seitdem läuft die Hängepartie. Zwischenzeitlich hatte die Stadt im Tausch ein herrenloses Grundstück an der Leckringhäuser Straße angeboten. Den Abriss der darauf stehenden Immobilie wollte die Kommune übernehmen. Die Bauwilligen lehnten ab. Auch, weil man im Dorf munkelte, dort im Boden könne es Altlasten geben, sagt der 40-jährige Sippel.

RP warnte schon 2013

„Man fühlt sich veräppelt und verarscht“, klagt Heike Früchtenicht, auch, weil der Stadt bekannt gewesen sei, dass es bei der Ausweisung des Baugebietes Schwierigkeiten geben würde. Den verhinderten Bauherren liegt ein Schreiben des Regierungspräsidiums Kassel vom 15. Februar 2013 vor, in dem steht, „aus immissionsschutzfachlicher Sicht bestehen zu dem o. g. Bauleitverfahren erhebliche Bedenken“.

Warum ziehen die beiden nicht die Reißleine und bestehen auf die mögliche Rückabwicklung? Warum suchen sie sich nicht andernorts einen Bauplatz? Weil er in Ippinghausen in der Dorfgemeinschaft fest verankert sei, sagt Torsten Sippel. Ihm und seiner Partnerin gefalle es im Dorf am Fuße der Weidelsburg. Und die Lage des erworbenen Grundstücks sei ja auch super.

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Quelle: HNA

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