Standortübungsplatz Ehlen wird zurückgebaut

Aus Panzerwaschanlage wird Biotop

Übungshäuser sind abgerissen: Nur ein altes Zaunfeld erinnert an die Bauwerke im Wald.

Ehlen. In einigen Jahren werden Gras und Bäume über die Anlagen gewachsen sein. Derzeit werden die Schießbahnen auf dem ehemaligen Standortübungsplatz Ehlen zurückgebaut. Die Panzerwaschanlage nahe der Ehlener Straße wurde bereits renaturiert, die etwas tiefer im Wald gelegenen Übungshäuser dem Erdboden gleichgemacht.

In wenigen Wochen sollen auch die Arbeiten an der Schießanlage abgeschlossen sein, sagt Theo Arend, stellvertretender Leiter des Forstamtes Wolfhagen. Nur zwei Drittel des gut 300 Hektar großen Übungsplatzes gehören dem Bund, der Rest – und dazu zählen Schießanlagen, Übungshäuser und Panzerwaschanlage – befindet sich auf dem Gelände von Hessen Forst. Seit der Standortübungsplatz im Jahr 2008 aufgegeben wurde, wurde über Rückbau und Ausgleich verhandelt, sagt Bundesförster Uwe Nord. „Es ist recht ungewöhnlich, dass die Bundeswehr seinerzeit auf Eigentum des Landes gebaut hat.“ Nun dränge das Land Hessen darauf, dass der alte Zustand wieder hergestellt werde. Etwa 750.000 Euro müsse der Bund für die Rückbauten auf dem Teil des Standortübungsplatzes zahlen, der dem Land gehört.

Seit dem Herbst werden die militärischen Einrichtungen entfernt. Von den Übungshäusern, in denen die Soldaten Überfall- und Verteidigungssituationen trainierten, ist nicht mehr viel zu sehen. Lediglich ein altes Zaunfeld ragt vom umgepflügten Boden in den blauen Himmel empor.

Lebensraum für Amphibien

Auch die beiden Bassins der Panzerwaschanlage, in die nach Reinigung der gepanzerten Fahrzeuge das Schmutzwasser abgelaufen ist, liefern heute ein anderes Bild. Die Betonfassung der Panzerwaschanlage wurde zerbröselt, darüber wurde eine Mischung aus Steinen und Erde aufgetragen, die steilen Wände der Becken abgeflacht, so dass die Molche und Frösche in dem Kleinstbiotop nicht mehr ertrinken. Theo Arend hofft, dass die Amphibien an den beiden Wasserstellen nun starke Populationen entwickeln. Hessen Forst habe mit Unterstützung des Regierungspräsidiums darum gekämpft, dass auf den ehemaligen Waldflächen künftig wieder Wald wachsen kann, und aus den wenig ästhetischen Überresten der Panzerwaschanlage ein ökologisches Kleinod werde.

Besonders aufwändig gestaltet sich die Renaturierung der Schießanlage. Die Betonplatten werden vor Ort zerkleinert und kontaminiertes Material wird abtransportiert. Mit den unbelasteten mineralischen Resten werden ehemalige Kellerräume verfüllt. Das Gelände wird mit dem in Wällen zwischengelagertem Waldboden so modelliert, dass sich wieder Wald entwickeln kann. „Im Frühjahr pflanzen wir Erlen und simulieren mit dem Vorwald eine natürliche Sukzession“, sagt Arend. Darunter versteht man die Abfolge verschiedener Pflanzengesellschaften. Wenn die Erlen nach einigen Jahren den Boden durchlüftet haben, sollen Douglasien und Tannen gepflanzt werden.

Von Antje Thon

Quelle: HNA

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