Jugendvertreter von SPD, CDU und AfD im HNA-Streitgespräch

Parteinachwuchs hat entspanntes Verhältnis zur AfD

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Junge Gesprächsrunde: (von links) Sebastian Fiedler, Patrick Weilbach und Florian Kohlweg bei der Diskussion.

Kreis Kassel. Die AfD hat in den vergangenen Wochen für Furore gesorgt im Kreis Kassel. Doch das beeinträchtigt das Verhältnis zu den Volksparteien nicht - zumindest aus Sicht des Parteinachwuchses.

Zum Streitgespräch trafen sich auf Einladung der HNA Patrick Weilbach (CDU), Sebastian Fiedler (SPD) und Florian Kohlweg (AfD). Und sie hatten kein Problem, am gleichen Tisch Platz zu nehmen.

Verhältnis untereinander

„Für mich ist das völlig unverkrampft, ich hab’ mit beiden Seiten keine Berührungsängste“, sagt Weilbach. Er sei ein Freund von Argumenten und tausche sich gern mit allen Seiten aus, sagt der Baunataler.

Dass generelles Engagement wichtig sei, sagt Sebastian Fiedler – und bietet Weilbach gleich das „Du“ an. Man streite sich gerne, sagt der Juso-Chef aus Wolfhagen. Man müsse es als „AfDler drauf haben, mit Kritik leben zu können“, sagt Florian Kohlweg, Fraktionschef der Alternative im Kreistag. „Die Demokratie funktioniert durch Unterschiede, es wäre langweilig, wenn wir alle die gleiche Meinung hätten“, sagt der 19-Jährige.

Er sehe durchaus eine Verbindung zwischen den drei jungen Leute, schließlich würden sich alle für die Politik und damit die Gesellschaft engagieren. „Top, top, top“, findet er. „Solange man sich grundgesetzkonform engagiert, ist das viel wert“, sagt Kohlweg und bietet den anderen beiden ebenfalls das „Du“ an.

Engagement der Jugend

Dass es keine „unpolitische Jugend“ gibt, findet Sebastian Fiedler. Die wenigsten würden sich aber hundertprozentig hinter eine Partei stellen wollen, sich eher bei kurzfristigen Projekten engagieren. Ein Beispiel seien die Gegen-Demos zu „Kagida“, an denen auch viele Nicht-SPDler teilgenommen hätten.

Für Weilbach ist das durchaus eines der Probleme: „Man sollte nicht immer gegen etwas, sondern auch mal für etwas sein,“ sagt er. Oft würden Einzelinteressen vorherrschen.

„Es lohnt sich, sich als junger Mensch aktiv zu beteiligen“, sagt Kohlweg. Wer mal etwas sage, das nicht mit der Parteilinie übereinstimme, werde nicht gleich abgesägt. „Er ist willkommen, vertritt aber dann nicht die Gesamtpartei.“ So könne man junge Menschen gewinnen, „obwohl sie vielleicht nicht hinter der Gesamtpartei stehen“.

Provokation

Antisemitische Äußerungen eines AfD-Mitglieds, Hohn für die Idee eines Flüchtlingsfests: Die AfD eckt an. „Provokation sollte nie zum Programm werden, und das wird sie auch bei uns nicht“, sagt Florian Kohlweg. „Wir müssen Themen angehen, die von den anderen Parteien nicht mehr, oder nur noch ganz weich angegangen werden.“ Man habe in der AfD die Denkverbote aufgehoben. „Wir sagen, was wir meinen, die rote Grenze ist aber das Grundgesetz“ – allerdings aus der Oppositionsrolle, die die Alternative auch künftig einnehmen wolle.

„Ich bin dafür bekannt, ein Freund klarer Worte zu sein, und ich nehme mir das Recht heraus, immer das zu sagen, was ich denke“, meldet sich Weilbach darauf zu Wort. Auf die Causa Klasen wolle er nicht eingehen, sagt Fiedler. Aber es sei hart zu sagen, dass in der AfD Freidenker seien.

Flüchtlinge

Auf Bundesebene werde von der AfD gefordert, dass alle Menschen, die kein Asylrecht haben, rausgeschmissen werden müssten, kritisiert der SPD-Mann. Dabei, so sagt er, „geht es um Menschen in Not, denen wir helfen müssen“. Ein Einwanderungsgesetz müsse her. Bei den Inhalten sei man aber sicher unterschiedlicher Meinung, sagt er und lacht. „Ihr redet ständig davon, was wir tun und was wir machen“, kontert Kohlweg. „Aber wo sind die Belege? Wer hat gesagt, dass alle sofort rausgeschmissen werden sollen, die kein Asylrecht haben?“ Niemand habe das getan, „das wird uns in die Münder gelegt“.

Nicht jeder sei ein Höcke oder Gauland. Man dürfe die AfD nicht auf „plumpen Hass gegen Flüchtlinge reduzieren, und das entspricht auch nicht den Tatsachen“. Man müsse human sein, betont Kohlweg. „Humanismus darf aber nie bedeuten, dass man den Staat aufgibt.“

Es gehe um wichtige humanitäre Hilfe, aber auch um den Zusammenhalt der Gesellschaft, sagt Weilbach. Die extremen Parteien hätten „viel Zulauf, das bereitet mir Sorgen“. Die Bevölkerung dürfe man „nicht überfordern, man muss maßvoll und besonnen reagieren“. Man hätte aber schneller reagieren müssen und beispielsweise Standards bei der Unterbringung heruntersetzen und dafür in Bildung und Integration investieren müssen, sagt Weilbach. Aktuell gebe es einen „völlig falschen Ansatz“.

Man schaffe es aber, sagen Weilbach und Fiedler. Eine Flüchtlingskrise gebe es in Deutschland nicht, sagt der SPD-Vertreter. Im Kreis habe man vieles nicht in der Hand, weil man von den Finanzen von Land und Bund abhänge. „Beim Satz ,Wir schaffen das’ von Merkel musste ich schon schlucken“, sagt Florian Kohlweg. Viele der Menschen, die nach Deutschland kommen, seien Analphabeten, die keine Chance auf dem Arbeitsmarkt hätten. „Damit kommen auch Probleme zu uns.“ Mit einem solchen Satz könne man das nicht beseitigen. „Das halte ich politisch für vollkommen naiv.“

Politische Ausrichtung

Links, rechts, mitte: Die AfD werde als weit rechts eingeordnet, sagt Kohlweg. Das sehe er nicht so. Viele Wähler seien mit der Politik der anderen Parteien unzufrieden und hätten deshalb die Alternative gewählt. Er selbst könne sich dort nur schlecht verorten, weil er zu unterschiedlichen Themen unterschiedliche Meinungen habe.

Quelle: HNA

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