Zu Gast in Deutschland: Zwei Schüler verbringen ein Jahr an der König-Heinrich-Schule

Ein Partyland mit Regeln

Fritzlar. Sie sind multikulturelle Weltenbürger, sprechen mehrere Sprachen und haben tausende Kilometer zwischen sich und ihr Zuhause gelegt. Dabei sind sie noch Jugendliche mit 16 und 17 Jahren.

Mitch Avalos und Sergio Milardovich gehören zu denjenigen, die bei uns als „Menschen mit Migrationshintergrund“ bezeichnet werden. Was hierzulande zurzeit als problematisch gesehen wird, das ist in den Heimatländern der beiden KHS-Gastschüler die Normalität. Denn von Einwanderern abzustammen, ist in Kanada und Argentinien die Regel.

In Mitchs Familie, die im Großraum Toronto in Kanadas Osten lebt, wird zwar Englisch gesprochen, die Muttersprache des Vaters ist jedoch Spanisch. Jetzt lernt der Sohn Deutsch – und ist seit Mitte Juli zu einem echten Fan von Deutschland geworden.

„Ich hatte vorher niemals über Deutschland nachgedacht. Jetzt finde ich es cool.“

Mitch Avalos (16) aus Toronto/Kanada

„Irgendwas hier ist einfach cool, ich weiß nicht genau was“, sagt Mitch Avalos, der dieser Tage 16 Jahre alt geworden ist. Er hatte seinen Gastbruder Jonas in Kanada kennen gelernt und folgte dessen Einladung nach Deutschland. Er lebt in der Familie in Großen-englis, geht in die 11. Klasse an der KHS in Fritzlar und fühlt sich pudelwohl. „Ich hatte vorher niemals über Deutschland nachgedacht, wusste nichts über das Land“, erinnert er sich. Jetzt habe er schon viel gesehen, habe so viel Spaß: „Ich liebe dieses Land“, sagt er. Und freut sich über den ersten Schnee und die Chance zum Snowboarden.

Während Mitch noch ab und zu nach Worten suchen muss, hat Sergio seit Januar die deutsche Sprache schon ausgezeichnet gelernt. Er kommt aus dem kleinen Dorf Villada im Bundesstaat Santa Fé in Argentinien – nächste Großstadt ist Rosario.

Sergio hat seinen Aufenthalt in Deutschland gut vorbereitet, wollte die Sprache lernen, weil er hofft, damit auch beruflich etwas anfangen zu können – er will Ingenieur werden. Spanisch und Englisch könne er ja schon.

Der 17-Jährige besucht die 12. Klasse, lebt in einer Gastfamilie in Fritzlar – und leidet im deutschen Winter unter den tiefen Temperaturen. „Bei uns zu Hause sind es jetzt 30 bis 35 Grad Celsius, es ist Sommer“, erzählt er. Ein wenig vermisse er seine Familie schon, aber er habe auch viel gesehen bisher. Und im Januar wird er wieder zurückfliegen zu Eltern und Geschwistern.

Während Sergio das Leben für Jugendliche in Deutschland mehr durch Regeln begrenzt hält als in Argentinien, sieht Mitch sein Gastland eher als Partyhochburg. In Kanada dürfen Jugendliche längst nicht so lange ausgehen.

Unverständlich für den Kanadier ist es, dass viele Jugendliche hierzulande nur wenig mit ihren Eltern unternehmen. „Ich gehe oft mit meinem Vater zum Sport oder ins Kino“, sagt er.

Sergio fand es in Deutschland schwerer, Kontakte zu knüpfen und Freunde zu finden. Doch das Problem hat er längst nicht mehr.

In der Schule kommen beide ganz gut zurecht – auch wenn sie Mathe ganz schön schwer finden. Der Unterricht sei interessant – und die Lehrer besser. Da grinst auch Betreuungslehrerin Katharina Hellmerichs zufrieden.

Von Ulrike Lange-Michael

Quelle: HNA

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