HNA-Interview: Dieter Trinks über die Entwicklung des Tourismus und seine Abschied als Kurdirektor

Patienten sollen Gäste werden

Bad Zwesten. Die Gäste kommen häufiger, aber bleiben nicht mehr so lang – auch sonst hat sich einiges beim Tourismus in Bad Zwesten geändert. Einer, der in den vergangenen 32 Jahren in Bad Zwesten die Fäden gezogen hat, ist Dieter Trinks. Er war der erste hauptamtliche Leiter der Kurverwaltung. Jetzt trat er in die Altersteilzeit ein und aus dem aktiven Berufsleben aus.

Herr Trinks, wo haben sie zuletzt Urlaub gemacht?

Dieter Trinks: In meiner alten Heimat in Hilders in der Rhön. In Bad Zwesten wollte ich eigentlich nur zwei Jahre bleiben, dann bin ich hängengeblieben – weil es in Bad Zwesten sehr schön ist.

Und wie ist Ihre letzte Saison in Bad Zwesten gelaufen?

Trinks: Zufriedenstellend. Noch fühlt es sich für mich aber wie Urlaub an und nicht wie ein Abschied. Ich habe meine Arbeit sehr gerne gemacht, da fällt es schwer zu gehen. Auch wenn ich zugeben muss, dass das Tourismusgeschäft in Zeiten von Gesundheitsreformen und Wirtschaftskrisen nicht leichter geworden ist.

Darunter hat auch Bad Zwesten gelitten ...

Trinks: Ganz eindeutig. Wir haben in den vergangenen 20 Jahren 248 Gästebetten verloren.

Also sind die Kliniken der rettende Strohhalm?

Trinks: Sie sind der Motor für Bad Zwesten. Es ist und bleibt doch das Schwierigste, die Menschen in einen Ort zu locken, damit sie dort ihren Urlaub verbringen. Die Patienten und ihre Angehörigen kommen, ohne dass wir um sie werben müssen. Unser Ziel ist es, dass auch sie als Multiplikatoren wirken und auch selbst gerne wiederkommen.

Was war in den vergangenen 32 Jahren für Sie ein herausragendes Ereignis?

Trinks: Die Entwicklung von Bad Zwesten insgesamt. Vom Luftkurort bis hin zum Heilbad. Die Schwerpunkte wurden von 1975 bis 1992 gesetzt. Auch danach ist es uns gelungen, die Gäste zufriedenzustellen. Es gibt viele Stammgäste, aber immer wieder auch neue Besucher. Um auch weiterhin attraktiv zu bleiben, muss sich der Ort weiterentwickeln – dabei muss man ja nicht gleich eine Standseilbahn bauen und ein Erlebnismuseum ist finanziell eine Nummer zu groß. Aber pro Jahr ein neuer Baum im Kurpark reicht nicht aus. Daher wurden all die Jahre danach weitere Neuerungen und kleinere Attraktionen geschaffen.

Wollen die Touristen also keine Entspannung, sondern Unterhaltung, wenn sie nach Bad Zwesten kommen?

Trinks: Die Gäste sind zwar jünger geworden, aber es geht nicht um Partys oder ausgefallene Vergnügungen. Auch die Struktur der Klinikpatienten hat sich verändert. Früher gab es Fango und dann Tango – diese Zeiten sind vorbei. Die Gesundheit der Patienten ist wesentlich stärker eingeschränkt. Unsere Zielgruppe sind Menschen, die Natur und Wellness verbinden wollen. Heute ist die Generation 50-plus unsere Zielgruppe. Früher waren unsere Gäste um die 70 Jahre. Heute erwarten die Gäste mehr als früher.

Was denn zum Beispiel?

Trinks: Unsere Gesundheitspfade und Wanderwege. Wir haben über 170 Kilometer Rundwanderwege ausgezeichnet. Hinzu kommen zahlreiche Themenwege wie der Kunstwanderweg Ars Natura, der archäologische Wanderweg und viele mehr. Der zertifizierte Kellerwaldsteig geht ebenfalls durch unseren Ort.

Und Ausflüge in die Umgebung. Bad Zwesten liegt nicht nur schön, sondern ist auch ein idealer Ausgangspunkt für Fahrten in die umliegenden Fachwerkkleinode.

Was bedeutet der Trend zu immer kürzeren Aufenthalten für einen Kurort wie Bad Zwesten?

Trinks: Auch die Zeiten, in denen die Gäste drei Wochen geblieben sind, sind vorbei. Die Besucher bleiben durchschnittlich drei bis vier Tage.

Ist es schwer neben einem größeren Kurort wie Bad Wildungen zu bestehen?

Trinks: Ja und Nein. Die Zusammenarbeit war immer sehr gut. Unter dem Strich haben wir eher von der Nähe profitiert. Es sind ja nicht mehr als 15 Kilometer. Da kann man schnell hinfahren und auch gut hinwandern. Auch in das Schneewittchendorf Bergfreiheit, ein Stadtteil von Bad Wildungen. Besonders stolz sind wir auch auf die Meisterkonzerte, die von Dr. Derman organisiert werden. Ich glaube dass wir viele Symphoniekonzerte hatten und haben und Künstler, um die uns Bad Wildungen beneidet.

Nennen Sie fünf Gründe, warum man Bad Zwesten und Umgebung für einen Urlaub als Ziel wählen sollte?

Trinks: Die fünf Punkte habe ich schnell zusammen. Schon die Infrastruktur gibt das leicht her. Bad Zwesten ist ein idyllisches Dorf in einem idyllischen Tal. Der Slogan „Mit Natur und Seele im Einklang“ trifft wirklich zu. Dazu kommt das kulturelle Angebot. Nicht nur die Konzerte, sondern auch die Kulturveranstaltungen in der Alten Pfarrei, Kabarett und Fortbildungen. Dazu unser Kurhaus mit dem herrlichen Hallenbad. Und ein Tanzcafé, das sich bis Marburg und Kassel großer Beliebtheit erfreut. Wir haben außerdem eine ganze Menge im medizinischen- sowie im Wellnessbereich zu bieten.

Ein Blick in die Glaskugel: Wie sieht die touristische Zukunft für Bad Zwesten aus?

Trinks: Der Kur- und Urlaubsort Bad Zwesten bietet sich auch als Naherholungsgebiet an – insbesondere für den Kasseler Raum, aber auch das Rhein-Main-Gebiet. Es ist in finanziell knappen Zeiten natürlich besonders schwer, sich im Tourismus zu behaupten. Ich würde mir daher wünschen, dass es mit der Touristischen Arbeitsgemeinschaft „Erlebnisregion Edersee“ weitergeht, die Zusammenarbeit mit der Nordhessen-Touristik verstärkt wird und der Naturpark die Werbung für den „Kellerwaldsteig“ verbessert.

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Quelle: HNA

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