17 Kinder aus Tschernobyl schlüpften in die bewunderte Schwälmer Tracht

Perfekt bis zum Schnatz

Loshausen. Das Dorfgemeinschaftshaus Loshausen verwandelte sich am Donnerstagabend in eine große Umkleidekabine: Die Mitglieder der Tanz- und Trachtengruppe Loshausen empfingen Gäste aus Weißrussland, um ihnen die Schwälmer Tracht näher zu bringen.

17 Kinder aus Rudnja verbringen derzeit einen dreiwöchigen Erholungsaufenthalt in der Schwalm. Inspiriert vom Trachtenfestzug bei der Ziegenhainer Salatkirmes entdeckten die Kinder nun, was es heißt, selbst in die traditionelle Kleidung zu schlüpfen. 16 komplette Ausstattungen für Mädchen und fünf für Jungs hielten die Trachtenexperten um den Vorsitzenden Günter Laudenbach für die Besucher bereit. Mehr als 20 Helfer sorgten für den richtigen Sitz der Mieder, Kappenschnüre und Röcke.

„Eine Tracht besteht aus mindestens 20 verschiedenen Teilen“, erklärte Doris Laudenbach. Anja Wimmer schätzte, dass um die 30 Stecknadeln nötig sind, um die Einzelteile miteinander zu verbinden.

Geduldig ließen sich die Weißrussinnen in originale Schwälmer Mädchen umkleiden: Die Prozedur, die sich von den Füßen bis zum Scheitel vollzog, dauerte eine gute Stunde. Sogar die Haare wurden standesgemäß zum Schnatz frisiert – gekrönt von der roten Betzel.

Lehrerin Galina Sawoschtschenko machte den Spaß mit und genoss die Verwandlung sichtlich. Auch die Kinder fühlten sich in den handgestrickten Strümpfen, den gefärbten Röcken, den Schnallenschuhen und bestickten Schnüren wohl. Übersetzerin Viktoria sagte: „Wir fühlen uns in der Tracht wie zu Hause.“

Farben als Symbol

Vor der Kirche entstanden im Anschluss unverwechselbare Erinnerungsfotos. Doris Laudenbach erklärte die Symbolik der Tracht: „Rot ist die Farbe der Jugend, Grün die der Verheirateten und Blau tragen die Frauen nach der Konfirmation des ersten Kindes.“ In der Schwalm würden die Trachten weiter vererbt und seien mittlerweile sehr wertvoll. (zsr)

Quelle: HNA

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