Personalrat Heinrich Jordan im Interview: "Enger schnallen geht nicht"

Streiken für bessere Löhne: Vor dem Kasseler Rathaus findet am Donnerstag ab 10 Uhr eine Verdi-Kundgebung statt. Dieses Bild entstand im Jahr 2010

Schwalm-Eder. Mit Warnstreiks im öffentlichen Dienst kämpft Verdi derzeit für höhere Löhne und Gehälter. Auch Mitarbeiter des Schwalm-Eder-Kreises beteiligen sich an der Arbeitsniederlegung. Ein Interview dazu mit Heinrich Jordan, dem Personalrat.

In Kassel findet am Donnerstag ab 10 Uhr eine Kundgebung am Rathaus statt. Mit dabei auch 70 Mitarbeiter aus der Kreisstadt. Wir sprachen mit Heinrich Jordan.

Herr Jordan, verdienen Sie zu wenig?

Jordan: Ich verdiene nicht schlecht. Aber wir gehen auch nicht meinetwegen auf die Straße.

Für wessen Interessen denn?

Jordan: In der Kreisverwaltung arbeiten 980 Mitarbeiter. 885 Arbeitnehmer und 95 Beamte. Davon sind 680 weiblich. Und viele von ihnen sind im Niedriglohnsektor beschäftigt. Das betrifft die etwa 300 Reinigungsfachkräfte und auch Schulsekretärinnen.

Sind nur Frauen davon betroffen?

Jordan: Nein, auch die 50 Hausmeister verdienen aus unserer Sicht nicht genug.

Dennoch sind es überwiegend Berufe, in denen vornehmlich Frauen beschäftigt sind.

Jordan: Das stimmt. Erzieherinnen sind, betroffen, Pflegekräfte in Altenheimen und Krankenhäusern und eben die Reinigungsfachkräfte. Und man darf eines nicht vergessen. Diese Jobs sind immens wichtig und die Arbeit ist wahrlich kein Zuckerschlecken.

Was fordert Verdi für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst?

Jordan: Wir möchten, dass schwer arbeitende Menschen das Geld verdienen, das ihnen zusteht; sie ihren Lebensunterhalt verdienen, ohne dabei auf staatliche Hilfe angewiesen zu sein.

Konkret?

Jordan: 6,5 Prozent mehr Lohn, mindestens aber 200 Euro. Auszubildende sollen pauschal 100 Euro mehr monatlich erhalten.

Das wäre viel Geld für die Arbeitgeber. Der Landkreis ist aber hoch verschuldet. Können sich Kommunen Lohnerhöhungen leisten?

Jordan: Die Verschuldung der Kommunen ist ein strukturelles Problem und darf nicht auf dem Rücken der Arbeitnehmer ausgetragen werden. Viele Beschäftigte haben den Gürtel bereits bis zum Anschlag gezogen.

Dennoch fehlt den kommunalen Arbeitgebern das Geld.

Jordan: Eigentlich schon. Aber im IT-Bereich sollten bis zu 1000 Euro monatlich über Tarif bezahlt werden, um qualifizierte Mitarbeiter zu bekommen oder zu halten.

Ein Einzelfall?

Jordan: Schon. Denn den Kommunen fehlt tatsächlich Geld. Aber das Geld, dass den Menschen mehr bezahlt werden soll, würde doch auch sofort zurück in die Region fließen. Eine Art regionale Konjunkturspritze also. Die Kommunen und die Landkreise müssen mit mehr Geld ausgestattet werden.

Mit wem verhandelt Verdi?

Jordan: Mit der Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände (VKA). Die Beamten sind von unseren Verhandlungen nur mittelbar betroffen. Das Land Hessen ist nicht mehr im Tarifverbund.

Zufall, dass die Demo am Frauentag stattfindet?

Jordan: Ja, aber der Termin passt gut. Statt Blumengeschenke gehen wir auf die Straße. Auch um für bessere Löhne für Frauen zu kämpfen. Mindestens mit 70 Teilnehmern nimmt die Kreisverwaltung an den Warnstreiks in Kassel teil. Mehrere Demonstrationszüge treffen sich um 10 Uhr in Kassel zu einer Kundgebung am Rathaus. Reden wird unter anderem Christian Rothländer, er ist Tarifkoordinator für den öffentlichen Dienst bei der Gewerkschaft Verdi.

Von Damai Dewert

Quelle: HNA

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