„Ein Stück Normalität zurückgeben"

Petra Moser ist neue Koordinatorin des Hospizdienstes Wolfhager Land

Beratung nicht nur in Notlagen: Petra Moser koordiniert ab jetzt die Arbeit des Hospizverein im Wolfhager Land. Foto: Pflug

Wolfhager Land. „Ein Stück Normalität zurückgeben" und das Leben bis ans Ende so gut wie möglich zu gestalten - das ist für Petra Moser einer der Hauptaufgaben der Sterbebegleitung. Seit Anfang des Monats arbeitet die 49-Jährige als hauptamtliche Koordinatorin des Hospizdienstes im Wolfhager Land.

Sie übernimmt diese Rolle von Dr. Doris Deutsch, die den Verein gründete und sich aufgrund ihres Alters in den wohlverdienten Ruhestand zurückzieht, sagt Moser. „Ich bin sehr dankbar, dass ich auf diesen von Frau Deutsch gelegten Grundstein aufbauen kann“. Als Koordinatorin wird sie Betroffene rund um das Thema Sterben und Tod beraten. „Es geht zum Beispiel darum, was der Betroffene und seine Angehörigen brauchen und welcher ehrenamtliche Begleiter passt“, sagt die Kasselerin. In Zukunft möchte sie einen stärkeren Fokus auf das Netzwerken mit Pflegediensten, Krankenhäusern und Seniorenheimen legen, um die Betreuung der Betroffenen zu verbessern.

Außerdem soll es einen neuen Ausbildungskurs zur Hospizbegleiterin geben, die Zusammenarbeit mit Schulen soll angestoßen und die Öffentlichkeitsarbeit ausgebaut werden. Denn noch immer sucht der Verein dringend ehrenamtliche Sterbebegleiter.

Berührungsängste mit unheilbar Kranken und Sterbenden hatte Moser nie. „Ich bin auf dem Land aufgewachsen. Da war es ganz normal, dass das Sterben zum Leben gehört. Auch meine Großeltern sind zu Hause gestorben“. Geplant war ein Engagement im Hospizdienst aber nicht. Nach der Ausbildung habe sie nicht gewusst, wie es weiter gehen solle. „Ich wollte aber schon immer in den Entwicklungsdienst“, sagt Moser.

So landete sie in einem Jerusalemer Hospiz. Statt der geplanten sechs Monate, blieb sie zwei Jahre. In einem Hospiz herrsche eine ganz besondere Stimmung, angenehmer und offener als auf anderen Krankenhausstationen, so Moser. Jeder wisse was passieren wird, es gebe keine geflüsterten Diagnosen mehr, sondern Menschen ließen sich aktiv auf den Tod und das Sterben ein.

Bewegendes Schicksal 

Ein weiteres Schlüsselerlebnis war nach ihrer Rückkehr, das Schicksal einer jungen Patientin. Die 17-jährige mit Krebs im Endstadium habe zu Hause sterben wollen. 1991 habe es allerdings noch keine Palliativmedizin und -pflege gegeben, erklärt Moser. Die Mutter habe sich nicht vorstellen können, wie sie das alleine schaffen soll. Die damals 23-jährige Gerster und zwei ihrer Kolleginnen entschieden, die junge Frau auf dem letzten Weg zu begleiten. Sie hätten sie nicht nur gepflegt, sondern auch viele schöne und verrückte Sachen unternommen.

„So haben wir ihr und ihrer Familien in den letzten Wochen ein Stück Normalität zurückgeben können“, sagt Moser. „Natürlich ist es manchmal schwer und man weit mit, aber es hat mir auch viel gegeben“, sagt Moser. Sie lebe viel bewusster, habe gelernt Prioritäten zu setzen, loszulassen, zu reflektieren „und ich streite weniger“.

Von Michaela Pflug

Quelle: HNA

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