Neuer Rundwanderweg eingeweiht – Information über Zeit des Nationalsozialismus

Pfad mahnt zum Frieden

Erinnerung an Einzelschicksale: die Kriegsgräberstätte im Wald zwischen Sand und Merxhausen. Fotos: Hoffmann

Bad Emstal. Die Eco-Pfade im Landkreis Kassel sollen dazu anregen, sich mit der Geschichte der Region zu beschäftigen, Zeugen der Vergangenheit mit anderen Augen zu sehen und sie damit auch für die Zukunft zu bewahren. So auch der Eco-Pfad Friedenspädagogik in und rund um Bad Emstal, der zu Orten führt, deren Geschichte auffordert, über Erziehung zum Frieden in einer unfriedlichen Welt nachzudenken.

Es sei nicht nur der 30. Eco- Pfad im Landkreis, sondern auch ein ganz besonderer, sagte Vize-Landrätin Susanne Selbert am Sonntag zur Einweihung in der Merxhäuser Klosterkirche. „Der Pfad sticht heraus, weil er sich mit den verheerenden Auswirkungen der Nazizeit auseinandersetzt.“

Grausamkeit des Krieges

Vielen Menschen aus unterschiedlichen Vereinigungen sei es zu verdanken, dass er in dieser Form verwirklicht werden konnte. Allen voran Jürgen Damm, Ehrenvorsitzender des Landesverbandes Hessen im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Er hatte dafür gesorgt, dass die Kriegsgräberstätte im Wald zwischen Sand und Merxhausen schon vor einigen Jahren in das Forschungsprojekt Kriegsgräberstätten in Hessen aufgenommen wurde. „Gespräche mit Bürgern, Stadt, Bürger- sowie Heimat- und Geschichtsverein haben schnell gezeigt, dass es in den Ortsteilen zudem eine Reihe von Örtlichkeiten gibt, an denen historische Zusammenhänge des Zweiten Weltkrieges und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft verdeutlicht werden können“, sagt Damm. Die Idee eines Rundwanderweges als friedenspädagogischer Lehrpfad war geboren.

Viele Arbeitsstunden und unzählige Wanderstunden später führt der Eco-Pfad Friedenspädagogik nun vom Ausgangspunkt am Klostermuseum in Merxhausen zum Kriegsgräberfriedhof im Wald.

„Hier soll an Einzelschicksalen die Grausamkeit und Sinnlosigkeit des Krieges thematisiert werden“, so Damm. Weiter führt der Weg über die Kurfürstenbrücke zum Ortsteil Riede, wo es bis 1933 eine Synagogengemeinde gab. Hier gilt es, Fragen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und der Judenverfolgung zu bearbeiten. Zurück in Merxhausen, führt der insgesamt elf Kilometer lange Eco- Pfad zu weiteren Stationen, unter anderem zum Gräberfeld von „Displaced Persons“, wo das Schicksal von Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen Thema ist. An einem Einzelgrab wird der Umgang der Nationalsozialisten mit den Sträflingen verdeutlicht, die in Merxhausen während des Krieges als „Breitenauer Männer“ in nur eingeschränkter Freiheit lebten und arbeiteten.

In Interviews, die Schüler der Christine-Brückner-Schule geführt haben, berichtet darüber Kirchenrätin Waltraud Regina Schmidt, abrufbar über einen QR-Code auf den Info-Tafeln, wie auch weitere Interviews mit Zeitzeugen.

Von Sascha Hoffmann

Quelle: HNA

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