Moderne Kirche ist Thema einer Theateraufführung des Kirchspiels Waßmuthshausen

Pfarrer mal ganz anders

Frau Pfarrer und ihre Schäfchen: Die Akteure des Kirchspiels Waßmuthshausen laden ein ins theatralische Gotteshaus des „Pfarrers von Depply“. Rechts im Bild Markus Glanz von der VR-Bank Schwalm-Eder, die die Kulisse sponserte. Foto: Ehl-von Unwerth

Wassmuthshausen. Eine Predigt zu schreiben, das ist für Pfarrer Ralf Ruckert angesichts seiner langen Berufspraxis kein Problem. Jetzt jedoch stellte er sich einer ganz neuen Herausforderung: Er ging unter die Theaterautoren. Mit dem von ihm verfassten Bühnenstück „Der Pfarrer von Depply“ präsentiert die Laienspielgruppe des Kirchspiels Waßmuthshausen am Wochenende erstmals ein eigenes Stück.

Ralf Ruckerts Bühnenbearbeitung basiert auf der englischen Fernsehsatire „The vicar of Dibbley“, die er vor vielen Jahren im norwegischen Fernsehen sah. Seither ließ in die Idee nicht los: Er beschaffte sich die DVDs zur Sendung, übersetzte einige Sequenzen ins Deutsche und schrieb daraus eine Fassung für seine Laienspieler und eine unterhaltsame Theaterkost.

Deftiger englischer Humor

Inhaltlich baut das Stück auf einem durchaus ernsten Hintergrund auf: Thema ist die beginnende Frauenordination Anfang der 90-er Jahre in England. Frauen als Pfarrer in göttlicher Mission – diese Vorstellung stieß damals auf viele Vorurteile und Widerstand.

Auch der kleine Ort Depply in Oxfordshire bleibt von den kirchlichen Neuerungen nicht verschont: Als Pfarrerin Geraldine Granger (Elfriede Findling in der Hauptrolle) ins beschauliche Dorfleben platzt, ist das Entsetzen groß.

Ihre moderne, unkonventionelle Art unterscheidet sich deutlich vom bislang üblichen Auftreten eines Talarträgers. Das gilt nicht nur für Aussehen, Ansichten und Ausdrucksweise, sondern auch für ihre zuweilen nahezu revolutionären Einsätze mit himmlischem Segen. Ob die trink-, aber nicht immer bibelfeste Pfarrerin ihre Schäfchen – vom erzkonservativen Kirchenvorstandsvorsitzenden bis zur vertrottelten Haushälterin – doch von sich überzeugen kann, zeigt sich bald.

Der deftige und zuweilen überzogene englische Humor, mit dem sich die Kirche im Stück selbst auf die Schippe nehme, sei hierzulande nicht ganz üblich, beteuert Pfarrer Ruckert. „Aber wer Kirche liebt, der müsste eigentlich gut damit zurechtkommen“.

Die VR-Bank finanzierte die Kulissen im Wert von 800 Euro. • Aufführungen: Freitag und Samstag, 8. und 9. Oktober, ab 19.30 Uhr, Gasthaus Hepe in Allmuthshausen. Eintritt frei, Spenden willkommen. Anmeldung: Tel. 0 56 81/27 32.

Von Sigrid Ehl-von Unwerth

Quelle: HNA

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