400 Zuschauer wollten Montagsgemähre und die Artisten des Scala-Varietés erleben

Ein Pfarrer mit Groupies

Zauberei mit Zweien: Die tollpatschigen Moderatoren Marie und Serjoschka spielten mit der Unterschätzung.

Fritzlar. Er hat bereits Groupies: Pfarrer Dieter Otto hat treue Fans, die keinen seiner Auftritte verpassen. Dreiviertel der Zuschauer hoben die Hand, als sie gefragt wurden, ob sie zur nächsten Pfarrer-Otto-Show wieder kommen wollen.

Acht Mal ist der schon in der Fritzlarer Stadthalle für die HNA-Aktion Advent und Kinder für Nordhessen aufgetreten, und jedes Mal saß Waltraud Persch aus Fritzlar in der ersten Reihe. Nur dieses Mal nicht. Am Dienstagabend saß sie in der zweiten Reihe. „Weil uns die Karten geschenkt wurden“, sagt sie. Doch auch von ihrem Platz aus hatte sie gute Sicht auf die Bühne. Und somit auf Mundarpfarrer Dieter Otto und auf die Artisten des Scala-Varietés.

Keine Kosten gescheut

Hibbelig sei der Pfarrer Otto, verriet HNA-Redakteur Olaf Dellit, kurz bevor der Mundart-Pfarrer auf die Bühne kam. Und er habe jedes Mal Sorge, dass der Saal nicht voll werde. Wieder waren diese Bedenken ganz unnötig, denn die Stadthalle war fast ausverkauft. Auch die gehörige Portion Lampenfieber des Pfarrers war wie weggezaubert, als er am Mikrofon stand und seine ersten Anekdoten erzählte.

Er hatte übrigens keine Kosten und Mühen gescheut, wie er gleich eingangs verriet und sich für den Auftritt vor großem Publikum neu eingekleidet. „Wir wollen schauen und hören, Sorgen vergessen und miteinander schwatzen“, sagte Otto und das waren auch schon fast alle Worte, die er an diesem Abend auf Hochdeutsch von sich gab. Denn was das Publikum von ihm hören wollte, dass waren die heiteren Geschichten aus dem Alltag – auf Platt.

Gesagt, getan. Gleich zehn Bücher habe er dabei, verriet er: „Alle für heute Abend.“ Darunter auch ein paar „ahle Dinge“. Geschichten, die viele im Publikum bereits gehört oder gelesen haben und bereits vor der Schlusspointe schallend lachten, weil sie das Ende bereits kannten. Das entlockte wiederum dem Pfarrer immer mal wieder ein Lachen.

Fasziniert auf eine ganz andere Art waren die Zuschauer von den Artisten des Scala-Varietés. Sie ließen das Publikum glauben, dass das was sie da scheinbar ohne Anstrengung auf die Bühne brachten nicht schwer, sondern leicht ist. Ein Trugschluss, dem man sich gerne hin gab. Auch das ist Varieté: Zauber.

Biegsam wie Gummi

Die tollpatschigen Moderatoren Marie und Serjoschka spielten mit der Unterschätzung und überraschten dann mit ihrer Zauberei und mit ihrem lockeren Humor. Elena Fiesta machte glauben, dass der Körper biegsam wie Gummi ist, und Christine Thevissen bot ein schönes, fast poetisches Bild, als sie mit ihren Hula-Hoop-Reifen in einer riesigen Kugel Tanz und Akrobatik verschmelzen ließ.

Letztlich besiegte das Duo Fantasy mit seiner Akrobatik die Schwerkraft. Es war ein Abend, der die Sinne berührte, zu Tränen rührte: zu Lachtränen. Zum Schenkelklopfer – auch bei Ottos großen Fans Waltraud und Jürgen Persch – wurde die Geschichte vom betagten Herrn, der noch einmal geheiratet hatte. Irgendwann sagt ihm seine Frau, sie bekomme ein Kind, was den Alten wunderte, denn das könne eigentlich nicht sein. Er fragte einen Freund, was da wohl passiert sei. Wenn er mit einem Spazierstock auf einen Hasen ziele und so tue, als schieße er, und der Hase falle plötzlich um, was sei dann passiert? Da sagte der Alte: „Da wird wohl ’n annerer geschossen honn.“ Eben.

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

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