Pfarrerin sagt Gemeinde in Guxhagen ade

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Wird am Sonntag in einem Gottesdienst verabschiedet: Ulrike Grimmell-Kühl arbeitet künftig als Religionslehrerin.

Guxhagen. Nach 18 Jahren als Pfarrerin in Guxhagen geht Ulrike Grimmell-Kühl neue Wege. Seit kurzem ist sie Schulpfarrerin an der Waldorfschule in Kassel. "Es war an der Zeit, mal was Neues zu machen", sagt sie.

Ihre Aufgabe an der Waldorf Schule sei eine neue, ganz andere Herausforderung. Zwar habe sie schon lange Religion in der Grund- und in der Gesamtschule unterrichtet. Das gehöre zum Pfarramt dazu. Aber die Waldorfschule sei ein besonderes Schulkonzept. "Mir gefällt daran, dass nicht nur Leistung zählt, sondern die Kinder als Individuen wahrgenommen werden. Aber die Steiner-Lehre ist nicht meine Lehre", betont die 52-Jährige.

Sie sei ganz bewusst als Pfarrerin angetreten und die Waldorf Schule akzeptiere ihre Werte. Anknüpfungspunkte zur christlichen Lehre sieht sie darin, dass die Schule den Einzelnen sehr wahrnehme. "Für mich ist die Arbeit dort vor allem ein christlicher Bildungsauftrag." Eine Regelschule sei für sie nicht in Frage gekommen: "Ich will die Schüler nicht benoten, sondern sie begleiten."

Ihre Guxhagener Gemeinde hat Ulrike Grimmell-Kühl 18 Jahre lang begleitet. Zuvor war sie drei Jahre Pfarrerin in Wollrode und ein dreiviertel Jahr Gefängnispfarrerin.

Diese Zeit sei spannend, gut, und sinnvoll, aber auch belastend gewesen. "Das Gefängnis ist eine ganz andere Welt", erzählt sie. Sie habe den Insassen zeigen wollen, dass Gott auch sie begleite. In dieser Zeit habe sie beispielsweise Kontakt zu einem verurteilten Mörder gehabt. "Er hat mit sich gerungen, ob er nach seiner Tat noch vor Gott bestehen kann, obwohl er vor der Gesellschaft gescheitert ist. Dabei habe ich ihn begleitet", erinnert sie sich.

Die Auseinandersetzung mit der Klosterkirche Breitenau und ihrer 900-jährigen Geschichte sei nicht immer ganz unproblematisch gewesen. Die Kirche war in den Kriegsjahren als Konzentrations- und Arbeitsumerziehungslager genutzt worden. "Ich habe versucht, mich der Vergangenheit zu stellen und sie so aufzuarbeiten, dass ich damit leben kann", sagt Grimmell-Kühl nachdenklich.

Kirche wurde verletzt

Dazu habe sie intensiv mit der Gedenkstätte zusammengearbeitet. An die wechselvolle Vergangenheit der Kirche wurde Grimmell-Kühl bei jedem Gottesdienst erinnert: "Die Kirche wurde 1874 vom Längsschiff abgetrennt, das seitdem als Gefangenenlager genutzt wurde. Nach dem Umbau war die Akustik sehr mühevoll und ich musste meine Stimme während des Gottesdienstes immer besonders erheben." Die Kirche sei damals verletzt worden und mit ihr die Akustik.

Aber auch wenn immer eine gewisse Tiefe und Schwere in dem alten Gemäuer spürbar sei, feiere die Gemeinde dort fröhliche Gottesdienste. "Für mich war es immer eine große Ehre, in dieser Kirche wirken zu dürfen."

Am Sonntag, 15. September, soll Ulrike Grimmell-Kühl in einem Kirchspiel-Gottesdienst um 11 Uhr in der Klosterkirche Breitenau verabschiedet werden. Der Gottesdienst mit anschließendem Empfang soll der Gemeinde Gelegenheit zum Abschied bieten.

Unter der Überschrift "Schön war s" sollen mit dem Gottesdienst auch die Feierlichkeiten zum Jubiläumsjahr 900 Jahre Kloster Breitenau beendet werden. "Schön war s wirklich", bestätigt Grimmell-Kühl. Besonders fehlen werde ihr die Seelsorge, sagt sie ein wenig wehmütig. "Aber ich freue mich auf die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen." (nis)

Quelle: HNA

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