Stress in der Weihnachtszeit

Pfarrerin: Das Warten aufs Fest fällt vielen Menschen schwer

Die Probe hat geklappt: Heute sind die Kinder aus dem Kirchspiel beim Krippenspiel im Einsatz. Sie gestalten den Familiengottesdienst in Neuenbrunslar mit. Die Vorbereitung gehört zu den Aufgaben der Pfarrerin, unterstützt von Katharina Gerhold. Fotos: ula

Wolfershausen/Deute. Zweieinhalb Tage hatte Jana Roske-Voß in der vergangenen Woche ganz für sich. Sie war weg, in Klausur, ohne Termine und Telefon.

„Das ist wichtig für mich", sagt die Pfarrerin. Gerade angesichts des Trubels in der Advents- und Weihnachtszeit, der vielen Gottesdienste, die vorbereitet werden müssen.

Die 35-Jährige betreut eine Kirchengemeinde in vier Dörfern und vier Kirchen. Dort finden allein heute, am Heiligen Abend, fünf Gottesdienste statt mit ganz unterschiedlicher Ausprägung.

Ist das kein Stress, sie vorzubereiten, zu halten? Ja, sagt sie, es gibt besondere Ansprüche an Pfarrer in dieser Zeit, alles ballt sich ein bisschen, manches ist nicht machbar, man erreicht Termingrenzen. „Aber geht es zum Jahresende hin nicht jedem so?“ fragt sie zurück.

Sie feiere jeden der Gottesdienste (die sie nicht alle selbst hält, es gibt Unterstützer wie Lektoren und Pfarrer im Ruhestand) mit der Gemeinde, aber auch für sich selbst, betont die Pfarrerin. Und versucht, die weihnachtliche Botschaft den Menschen vor Augen zu führen.

Gut gelaunt beim Stühle-Rücken: Pfarrerin Jana Roske-Voß.

„Christus ist uns als Geschenk gegeben worden“, sagt sie, darum beschenke man sich ja auch zu Weihnachten. Wichtig sei es, nicht zu vergessen, dass der Advent auf dieses Ereignis vorbereite, man sich langsam, nach und nach darauf einstellen sollte.

Die Realität sind anders aus. Schoko-Weihnachtsmänner und „Stille Nacht“ schon im September: „Da muss ich schlucken“, sagt Jana Roske-Voß. Leider könnten viele Menschen heute nicht mehr warten, nähmen sich damit aber auch viel von der Vorfreude. Was könne denn dann noch kommen?

Die Gründe für die Hektik, den Stress, den so viele in der Vorweihnachtszeit beklagen, sieht die Pfarrerin zum Teil in dem Anspruch, dass gerade in dieser Zeit alles perfekt sein solle. Dabei gehe es nicht um Perfektion, die schönste Deko, die besten Plätzchen.

„Wir sollten uns bewusst machen, was die christliche Botschaft bedeutet“, sagt sie, etwa auf unsere Nächsten mehr achten. Sie rät allen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, sich zu fragen: Was ist mir wirklich wichtig?

Kein Problem hat Jana Roske-Voß mit den vollen Kirchen an den Festtagen, weil ganz viele kommen, die man sonst nicht sieht. „Es muss halt alles reingepackt werden in diese Zeit“, hat sie erkannt, Weihnachten sei und bleibe etwas Besonderes. Übrigens: Ihre Predigten stellt sie auf den jeweiligen Anlass ein. „Es wäre schön, wenn man Rückmeldungen hätte“, sagt sie.

Und sie freut sich auf den Januar: Dann ist Urlaub.

Von Ulrike Lange-Michael

Quelle: HNA

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