Die katholischen Christen im Bistum sind zur Pfarrgemeinderatswahl aufgerufen

Pfarrgemeinderatswahl: Auch Kinder haben Wahlrecht

Schwalm-Eder. Die katholischen Christen im Schwalm-Eder-Kreis sind zur Wahl aufgerufen. Samstag und Sonntag können sie nach den Gottesdiensten in ihren Gemeinden den Pfarrgemeinderat wählen.

Jedes Gemeindeglied über 16 Jahren kann wählen, und es gibt eine Besonderheit: Die katholische Kirche hat schon seit mehr als zehn Jahren das Familienwahlrecht, das Politiker manchmal auch für den Bundestag fordern. Eltern können dabei für ihre Kinder bei der Wahl abstimmen. So können also Eltern mit zwei Kindern insgesamt vier Stimmzettel ausfüllen. Der Rat soll vor allem den örtlichen Pfarrer beraten und unterstützen, erläutert Dechant Jörg Stefan Schütz, der Stadtpfarrer in Fritzlar ist. Der Pfarrgemeinderat beschäftigt sich mit pastoralen und kirchlichen Belangen, also beispielsweise der Gestaltung der Gottesdienste. Kultur, Ökumene – also die Zusammenarbeit mit anderen Kirchen und Glaubensgemeinschaften können Themen für den Rat sein. Er kann Auschüsse bilden, um Schwerpunkte zu setzen, etwa karitative Projekte wie Hilfsaktionen für die 3. Welt. Der Pfarrgemeinderat repräsentiert neben dem Pfarrer auch die Gemeinde in der Öffentlichkeit. Sollte es einmal Streit geben, hat der Pfarrer gegen pastorale Entscheidungen des Rats ein Vetorecht. Ein fiktives Beispiel: Der Pfarrgemeinderat beschließt, dass ein Gottesdienst verlegt werden soll. Dem Pfarrer passt das aber nicht in den Terminplan, er sagt nein. Dann kommt ein Vermittlungsausschuss ins Spiel, der beim Bistum angesiedelt ist. So etwas komme aber äußerst selten vor, sagt Schütz.

Die Größe des Gremiums richtet sich nach der Zahl der Gemeindeglieder. Bis 1000 Christen sitzen sechs bis neun Mitglieder im Gemeinderat, bis 3000 sind es sieben bis zwölf und bei noch größeren Gemeinden neun bis 15. Innerhalb dieser Vorschläge hat der Gemeinderat einen Spielraum. Neben den gewählten Mitgliedern können weitere später berufen werden. Außerdem sind die Hauptamtlichen kraft Amtes dabei, also etwa der Pfarrer oder ein Kaplan. Es sei nicht einfach, ausreichend Kandidaten zu finden, sagt Schütz. Manche Gemeinden hätten damit Probleme. Bisweilen gibt es nur so viele Kandidaten wie Ratsmitglieder. Gewählt wird dann trotzdem.

Damit solle der Pfarrgemeinderat die Unterstützung der Gemeinde bekommen. Verwaltungsrat fürs Geld Neben dem Pfarrgemeinderat haben die Gemeinden noch einen Verwaltungsrat. Dieser ist für Finanzen, Gebäude und ähnliche, auch rechtsverbindliche Dinge zuständig. Der Verwaltungsrat ist kleiner und wird ebenfalls gewählt. Alle drei Jahre werden die Hälfte der Mitglieder neu bestimmt, drei Jahre später wechseltdie andere Hälfte. Pfarrer Schütz und seine Kollegen hoffen auf eine hohe Wahlbeteiligung. „Der Pfarrgemeinderat bereichert und kann dem Pfarrer die Augen öffnen“, sagt der Dechant. Zudem würden die Laien in der Kirche immer wichtiger: „Das A und O in der Kirche ist ehrenamtliche Arbeit.“ (ode)

Quelle: HNA

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