In Gudensberg demonstrierten Bewohner und Mitarbeiter von Eben-Ezer

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Mit Trillerpfeifen für die Zukunft: Bewohner und Mitarbeiter des Alten- und Pflegeheims Gudensberger Eben-Ezer demonstrierten gestern vor der Einrichtung.

Gudensberg. Lautstark sind Demonstrationen häufig. Was die Kundgebung in Gudensberg am Dienstag so ungewöhnlich machte, war das hohe Durchschnittsalter der Demonstranten: Bewohner des Altenheimes Eben-Ezer machten mit ihren Pfeifen ordentlich Lärm.

„Anpfiff für eine erstklassige Pflegepolitik“, war der Titel der landesweiten Aktion. An der nahmen auch Mitarbeiter von Eben-Ezer, dem angeschlossenen Lazarus-Pflegedienst, dem Hospizdienst Chattengau und der Krankenpflegestationen Gudensberg und Niedenstein teil.

Walter Berle, Heimleiter von Eben-Ezer und Mitglied im Landesvorstand des Paritätischen Wohlfahrtsverbands, erläuterte die Forderungen. Dazu gehören

• Genug Ausbildungsplätze in der Altenpflege. Die vom Land finanzierten Plätze sind begrenzt. Diese Deckelung müsse aufgehoben werden, sagte Berle.

• Solidarische Finanzierung der Ausbildung: Zurzeit werden die Kosten für Auszubildende auf die Bewohner des jeweiligen Heims umgelegt. Zehn Azubis, diese Zahl strebt Berle für seine Einrichtung an, würden pro Bewohner mit 60 Euro monatlich ins Gewicht fallen. Heime, die nicht ausbilden, müssen auch nichts bezahlen. Das müsse geändert werden.

• Einheitliche Ausbildung: Nach den Ideen des Dachverbands Liga der Freien Wohlfahrtspflege, sollen die Ausbildungen in der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege zusammengefasst werden. Das sei sinnvoll, erklärte Berle, da sich die Bereiche stark überschnitten. Außerdem eröffne es denen, die ihre Ausbildung abgeschlossen haben, bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

• Angemessene Entlohnung: Die Arbeitsbedingungen, dazu gehöre auch der Lohn, müssten attraktiver werden. Da sei die Politik gefragt. Berle: „Die Frage lautet: Was ist die Pflege der Gesellschaft wert?“

• Alter als Schulthema: Schulen sollten im Unterricht die Themen Alter und Pflege behandeln. Berle nannte den Ethik-/Religionsunterricht und Sozialkunde.

Es sei schwieriger geworden, qualifiziertes Personal zu finden, hat Walter Berle in seiner Einrichtung festgestellt. Die Zeiten, als wöchentlich vier bis fünf Bewerbungen in der Post lagen, sind längst vorbei.

Quelle: HNA

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