Pflege-Engpass bedroht Kliniken der Region

Schwalm-Eder. In vielen deutschen Krankenhäusern herrscht Pflegenotstand - die Situation im Schwalm-Eder-Kreis sei angespannt, aber noch nicht dramatisch. Das sagt Mizrab Akgöz, Leiter des Bildungszentrums von Asklepios in Nordhessen.

Das Dilemma, in dem die Krankenhäuser stecken, liegt darin, dass bei einem deutlich gestiegenen Pflegeaufwand der Patienten (Adipositas, Demenz und Schwerstpflegebedürftige) die Fachkräfte fehlen: „Wir haben seit Jahren massiv rückläufige Bewerberzahlen“, sagt Akgöz. Es sei gerade auf dem Land schwierig, junge Menschen für eine Ausbildung zu gewinnen. „Wir sind auf jeder Berufsmesse unterwegs und versuchen, Jugendliche für den Beruf zu begeistern“, sagt Akgöz.

Pflegeberufe hätten jedoch ein Imagepromblem: Exkremente, schlechte Arbeitszeiten, Schichtdienst und schlechte Bezahlung seien die Schlagworte. „Die Realität sieht aber anders aus. Die Pflege ist hochkomplex, die Intensivbetreuung ist Hitech-Medizin.“ Auch die Bezahlung sei besser als ihr Ruf. Das Anfangsgehalt liegt brutto zwischen 2100 und 2300 Euro.

Der Engpass sei in Nordhessen spürbar. Die fünf Asklepios-Kliniken stünden wegen der vielen Auszubildenden aus der eigenen Schule noch gut da. In der Region gebe es mittlerweile viele ausländische Pflegekräfte. Eine Klinik in der Region habe jüngst 25 spanische Pflegekräfte eingestellt. Ausbildung und Sprachprobleme erschwerten den Austausch jedoch.

Politisch wurden Fehler gemacht: Die Statistiken zur demografischen Entwicklung seien lange bekannt, es wurden aber keine Anreize geschaffen. „Wir müssen die Wertigkeit der Pflegeberufe erhöhen“, sagt Akgöz. Es gebe Häuser, in denen nur noch die nötigsten Operationen stattfänden und Stationen schlössen. Das müsse verhindert werden.

Von Damai D. Dewert

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © Symbolbild/dpa

Kommentare