Nach zwölf Jahren konnte Pflegekraft Ursula Siegmann nahtlos an ihre Karriere anknüpfen

Pflege als Sprungbrett

Helfer mit Leidenschaft: Ursula Siegmann stützt Kranke und Alte – hier Schwiegervater Adolf Siegmann. Foto:  Schleichert

Elbenberg. Wenn nicht jetzt, dann nie – das dachte sich Ursula Siegmann und schickte ihre Bewerbung auf Reise. Die gelernte Krankenschwester traute sich nach zwölfjähriger Erziehungspause, zurück ins Arbeitsleben zu springen.

Beim ersten Anlauf war die 48-jährige Elbenbergerin erfolgreich: Sie bewarb sich als Pflegekraft in Teilzeit – die Zusage von der ökumenischen Sozialstation Fritzlar kam prompt. Denn Pflegekräfte werden in der Region händerringend gesucht. „Wir stehen am Anfang eines allgemeinen Pflegenotstandes“, sagt Petra Timofejew, die seit zwei Wochen Ursula Siegmanns neue Chefin ist.

Die Sozialstation in Fritzlar versorgt derzeit hundert Patienten mit ambulanter Pflege. „Ein Bereich, der boomt“, sagt Silke Sennhenn von der Arbeitsagentur. Fachkräfte jedoch seien Mangelware.

Die Pflegeeinrichtungen leiden unter Personalnot. Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt ständig, während das Angebot von Pflegefachkräften stagniert. Verlierer dieser Entwicklung ist die alternde Gesellschaft. Gewinner gibt es nur wenige: Ursula Siegmann ist eine von ihnen.

Schaffe ich den Absprung? Kann ich noch pflegen? Die Zweifel, die Krankenschwester Siegmann vor ihrer Rückkehr hegte, hat ihre neue Chefin ihr genommen. „Die soziale und fachliche Kompetenz unserer Mitarbeiterinnen ist relativ unabhängig vom Lebensalter“, sagt Timofejew, die mit diesen Worten auch ihrer neuen Angestellten die Augen öffnete: Siegmann kann trotz beruflicher Pause mit Lebenserfahrung punkten. „Ich habe nicht zwölf Jahre pausiert, sondern zwei Söhne großgezogen“, sagt sie und strahlt. Ihren Platz im Berufsleben hat sie wiedergefunden - „und es fühlt sich an, als wäre ich nie weg gewesen.“

Von Pia Schleichert

Quelle: HNA

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