Ärger um Poller auf Bürgersteig

Streit zwischen Anwohnern und der Firma Kuntschar

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Stein des Anstoßes: Dieser Poller soll verhindern, dass rangierende Lkw der Firma Kuntschar nicht auf den Bürgersteig fahren.

Ippinghausen. Poller auf dem Bürgersteig, laute Diskussionen unter Nachbarn, Beschwerdeschreiben an das Bauamt Wolfhagen und Schriftverkehr mit Anwälten und diversen Behörden - der Streit um angebliche Verstöße der Firma Kuntschar Energieerzeugung erregt derzeit die Gemüter in Ippinghausen.

Konkret geht es um Vorwürfe eines unmittelbaren Anwohners, der sich mehrfach über Lärm- und Geruchsbelästigung sowie die Nichteinhaltung von Betriebszeiten auf dem gegenüberliegenden Firmengelände beschwert hatte.

Ein weiterer Vorwurf: An- und abfahrende Lastwagen würden beim Rangieren auf den gegenüberliegenden Bürgersteig rollen und diesen beschädigen. Die Stadt Wolfhagen ließ vor einigen Monaten einen Poller auf dem Bürgersteig gegenüber der Lkw-Einfahrt der Firma auftsellen, um dies zu verhindern. Walter Kuntschar, Gründer und Inhaber der Firma mit 13 Angestellten, wehrt sich gegen die Vorwürfe. Die Lkw würden beim Rangieren lediglich an den Bordstein stoßen und den Bürgersteig mit der Fahrzeugfront überragen - aber nicht auf den Bürgersteig fahren.

Sein Blockheizkraftwerk (BHKW) zur Energie-Versorgung der Firma mit Strom habe lediglich eine Nennleistung von 350 Kilowatt und sei somit überhaupt nicht genehmigungspflichtig gemäß Hessischer Bauordnung.

Deshalb verstehe er auch nicht, warum das Bauamt hinzugezogen wurde, dort läge „ein ganzer Berg“ von Beschwerdebriefen des betreffenden Anwohners. Auch die angebliche Geruchsbelästigung durch den Betrieb einer Holzvergaseranlage bestreitet Kuntschar. Er verweist auf ein eigens angefertigtes Gutachten des TÜV Rheinland, welches besagt, dass „beim ordnungsgemäßen Betrieb der Gasfackel durch die An- und Abfahrvorgänge des Holzgassystems mit nachgeschaltetem BHKW beziehungsweise durch Motorausfälle des BHKW keine erhöhten Geruchsemmissionen in der Nachbarschaft zu erwarten sind“. Das Gutachten liegt der HNA vor.

Auch der Lärmpegel während des BHKW-Betriebs sei innerhalb der Norm. Den einzigen Vorwurf, den Kuntschar einräumt, ist die Nichteinhaltung der genehmigten Betriebszeiten von 7 bis 16 Uhr: „Ja, wir haben in der Vergangenheit bis 16.30 Uhr gearbeitet. Dies wird künftig aber nicht mehr passieren, wir halten uns an die Vorgaben“, sagt der Firmengründer.

Die Hintergründe der Streitigkeiten sind unklar, der besagte Anwohner war bisher für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Kuntschar sagt: „Wir wollen hier weitere Arbeitsplätze für die Region durch Erneuerbare Energien schaffen.“ Er plane, bereits in Kürze, in eine weitere Halle zu investieren und dadurch neue Mitarbeiter einzustellen und hofft, dass die Streitigkeiten bald beigelegt sind.

Das sagt der Bürgermeister:

Klar ist, dass sich die Firma Kuntschar an die Auflagen der Baugenehmigung sowie die Betriebszeiten halten müsse, sagt Bürgermeister Reinhard Schaake. Dies sei ihm durch den Inhaber auch zugesichert worden.

Er habe ein großes Interesse, zur Lösung des Konflikts beizutragen, unter Berücksichtigung der Interessen aller Beteiligter, sagte der Rathauschef. (uli)

Von Nicolai Ulbrich

Quelle: HNA

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