Alle wollen vorbeugen

Pilotprojekt an Burgsitzschule: Demokratie fördern

+
Mobbing im Internet: Auch an Schulen im Altkreis Melsungen hat es bereits Fälle von Mobbing im Internet, dem so genannten Cybermobbing gegeben.

Spangenberg. Cybermobbing und Gewalt an der Schule ist auch an der Burgsitzschule Spangenberg kein Fremdwort mehr. Deshalb wurde dort nun ein Pilotprojekt im Schwalm-Eder-Kreis gestartet, das der Bund finanziert.

Damit sollen die Schüler lernen, sich am Geschehen in der Schule zu beteiligt und Verantwortung zu übernehmen. Und die Lehrer sollen Handwerkszeug zur Bewältigung von Konfliktsituationen erhalten. "Wir wollen nicht mehr nur reparieren", sagt Schulleiterin Sieglinde Strieder, "sondern lernen, besser vorzubeugen."

Das Besondere an dem Projekt: Die gesamte Schulgemeinde ist beteiligt, das bedeutet Lehrer, Schüler, Eltern, Vereine wie der TSV und die Feuerwehr, Polizei, Kirche und Stadtjugendpflege. Und das Projekt schließt alle Klassen ein, von der ersten bis zur zehnten.

Mehr Verantwortung übernehmen kann nach Vorstellung von Schulleiterin Strieder schon in der ersten Klasse beginnen: "Auch dort kann ein Klassensprecher gewählt werden, der die Interessen seiner Mitschüler vertritt und zum Beispiel Aktivitäten wie Ausflüge oder Bastelnachmittage mitplant." Zudem können Dienste für Tafelreinigung, Licht und Mülltrennung selbst organisiert werden.

In allen Klassen könnte es Klassenräte geben, nicht nur, wie bisher, in den Jahrgängen fünf und sechs. Einmal in der Woche könnten diese Klassenräte tagen und dabei Konflikte besprechen und lösen. Das Projekt, das noch bis Ende des Jahres läuft, wird von zwei professionellen Trainern begleitet, die Ideen sollen aber von der Schulgemeinde ausgehen. Ziel ist es, dass das Projekt über die Schule hinaus wirkt. So sollen beispielsweise die Übungsleiter beim TSV für Lösungen von Konfliktsituationen geschult werden.

Am Mittwoch haben sich die 60 Lehrer der Burgsitzschule während eines Pädagogischen Tages mit dem Thema auseinander gesetzt. Mit dabei waren Mitglieder der übrigen Schulgemeinde, insbesondere auch Eltern. Denn während einer Sitzung des Schulelternbeirats habe sich herausgestellt, dass viele Eltern völlig überfordert seien mit den Gefahren, die das Internet für ihre Kinder haben kann, berichtet Wilfried Brietzke, Pädagogischer Leiter der Burgsitzschule. "Es gibt schon Siebenjährige, die internetfähige Handys haben", ergänzt Schulleiterin Strieder.

Alle Burgsitzschüler sollen noch mehr Möglichkeiten bekommen, sich in das Lebensumfeld Schule einzubringen. Das kann die Teilnahme an Fachkonferenzen sein, an denen auch Schüler Wünsche äußern können wie etwa Biologieunterricht im Wald oder Skate-Arbeitsgruppe am Nachmittag. Die Schüler aller Jahrgangsstufen sollen lernen, selbstständig zu denken und präventiv zu handeln, indem sie Dinge verhindern, die sie nicht haben wollen. Zum Beispiel dass sie lernen, gar nicht erst zulassen, dass ein Schüler gemobbt wird.

Das Projekt läuft noch bis Ende des Jahres. Damit auch andere Schulen von den Erfahrungen an der Burgsitzschule profitieren können, wird eine Publikation zum Thema erscheinen. Diese wird von der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung vertrieben.

Von Claudia Feser

Quelle: HNA

Kommentare