Auch der Abriss muss möglich sein

Pilotprojekt gegen Leerstand im Schwalm-Eder-Kreis

Schwalm-Eder. Künftig könnten deutlich mehr vom Verfall bedrohte Fachwerkhäuser in den Dörfern und Städten abgerissen werden, als das bisher der Fall war. Wegen des zunehmenden Leerstandes sucht der Landkreis Wege, die Ortskerne neu zu gestalten.

Ein Pilotprojekt läuft in sechs Dörfern gemeinsam mit der Denkmalpflege und soll für Veränderungen sorgen.

Erster Kreisbeigeordneter Winfried Becker stellte das Projekt zusammen mit den Bürgermeister der ausgewählten Gemeinden in Schwarzenborn vor. Er betonte, dass der Leerstand in den kommenden Jahren noch stärker zunehmen werde. Weniger Menschen und höhere Ansprüche an modernes Wohnen haben Folgen fürs Fachwerk. Immer mehr Häuser stehen leer oder zerfallen. Der Kreis will gegen das marode Bild in den Gemeinden tätig werden. "Das Wohnen soll attraktiv bleiben", sagte Becker.

Deshalb betreibt der Landkreis die Pilot-Studie, die in sechs Orten analysiert, wie Flächen belebt werden können. "Wir planen gemeinsam mit der Denkmalpflege und den Eigentümer", sagte Städtebauarchitekt Uwe Höger vom Planungsbüro akp aus Kassel, der das Projekt betreut.

In Schwarzenborn etwa könnte das Haus neben der Pizzeria bis auf die historischen Grundmauern abgerissen werden. Der Wirt wolle die Fläche für eine Außengastronomie im Sommer nutzen, sagte Schwarzenborns Bürgermeister Jürgen Kaufmann. Dagegen müsse das alte Pfarrhaus stehen bleiben.

Beispiele wie diese gibt es in vielen Orten: Dazu gehöre etwa die Umnutzung alter Höfe und der Abbruch von ungenutzten Scheunen. Die Denkmalpflege erlebe zurzeit einen deutlichen Wandel. "Die Grenzen für einen Rückbau weichen stark auf", sagte Becker.

Dabei soll das kulturelle Erbe dennoch erkennbar bleiben. Deshalb habe man sich auf eine Raumkantenplanung geeinigt, sagte Heike Brandt von den Städtebauern. Da gehe es etwa darum, historisch bedeutende Häuser oder etwa Teile von Stadtmauern zu erhalten. Dazwischen könnte man durchaus Häuser abreißen oder teilweise zurückbauen, um sie anders zu nutzen.

"Mit dieser Planung sind dann auch Neubauten in den Ortskernen möglich", sagte Becker. So soll die Wohnqualität für junge Menschen und Familien deutlich verbessert werden. Es werde auch mehr Raum für Freiflächen wie Gärten und Parkmöglichkeiten geschaffen. Ziel sei immer die Steigerung der Attraktivität, sagte Jesbergs Bürgermeister Günter Schlemmer. Er sei ein Befürworter des teilweise unpopulären Abrisses, weil es eine Chance gebe, ein Stück weiter zu kommen.

Von Christine Thiery

Quelle: HNA

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