Pilotprojekt: Neue Flüchtlingsunterkunft in Treysa nur für Kinder und Frauen

Herd, Spüle, Schränke für Geschirr: Christina Jindrich-Handcock präsentiert die Küche in der neuen Gemeinschaftsunterkunft. Die Flüchtlinge können sich hier selbst versorgen. Fotos: Dittrich

Treysa. Ein Jahr standen die Bürogebäude leer, jetzt soll es nur noch wenige Tage dauern: Nächste Woche sollen die ersten Frauen und Kinder im ehemaligen Arbeitsamt in Treysa einziehen.

Ein Novum, denn bisher wurden Flüchtlinge im Schwalm-Eder-Kreis nicht nach Geschlechtern getrennt untergebracht.

Die Kabinen für Toiletten und Duschen sind noch nicht fertig, an vielen Stellen wird noch gewerkelt. „Wir werden die Unterkunft Stück für Stück belegen“, erklärt Landrat Winfried Becker. In den ehemaligen Büroräumen an der Marienburger Straße wird dann Platz für 90 Flüchtlinge sein. Ausschließlich Frauen und Kinder, erklärt Heidrun Hartwig. „Es gibt einen Türcode, damit niemand einfach so hereinkommt“, erklärt die Leiterin der Betreuungsstelle für Zuwanderer im Kreis. Als Betreiber fungiert das Rote Kreuz.

Das Ziel

Das Pilotprojekt soll den weiblichen Flüchtlingen helfen, sich besser zu integrieren. Die Erfahrungen der vergangenen Monate hätten gezeigt, dass die Frauen sich oft zurückziehen, wenn sie gemeinsam mit Männern untergebracht sind. Ganz pragmatisch: „Hier können die Frauen auch ohne Kopftuch rumlaufen“, sagt Christina Jindrich-Handcock, die die neuen Bewohner betreut.

Das Büro der Erzieherin ist schon eingerichtet, in den Fluren liegt schon erstes Spielzeug und Texte und Piktogramme an den Wänden erklären, dass Kinder nicht geschlagen werden dürfen und Frau und Mann gleichberechtigt sind. Jeder soll seine Rechte in Deutschland kennen und Hilfe beim Asylantrag erhalten.

Die Unterkunft

Auf zwei Etagen werden die Flüchtlinge in Zimmern mit zwei bis vier Betten untergebracht. In jedem Raum steht ein Kühlschrank, jeder Bewohner hat einen eigenen Spint. Damit die Mütter nicht von ihren Kindern getrennt wohnen und kein Bett leer steht, gibt es extra Gästebetten, die in die Räume gestellt werden können. „So können wir die Bewohner möglichst flexibel auf die Zimmer verteilen“, erklärt Jendrich-Handcock. Zwölf Schlafräume gibt es im Erdgeschoss, 13 in der ersten Etage. Dazu kommen Auffenthaltsbereiche auf den Fluren, eine Gemeinschaftsküche, Duschen, Toiletten, Wasch- und Lagerräume.

Die Situation im Kreis

„Das Gebäude ist als Unterkunft ideal“, erklärt Hartwig. Die Räume standen nur ein Jahr leer, die Bausubstanz sei intakt. Kein Vergleich mit der Notunterkunft Chinapark, die bald geschlossen werden soll. „Wann genau, wissen wir aber noch nicht“, sagt Becker. Die Entscheidung fällt das Land.

Unabhängig davon favorisiere man weiterhin die dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen. „Eine Gemeinschaftsunterkunft kann nie so perfekt sein wie eine Wohnung“, sagt Becker. Daher seien im Kreis auch zwei Drittel der Flüchtlinge dezentral untergebracht.

Flüchtlinge im Schwalm-Eder-Kreis

Aktuell leben 2516 Flüchtlinge im Schwalm-Eder-Kreis. 649 davon sind weiblich, der Großteil von ihnen lebt aber mit einem Partner zusammen. Für die neue Unterkunft in Treysa kommen daher nur 111 Frauen, davon 25 Mütter, sowie 45 Kinder in Frage. 190 Minderjährige Flüchtlinge, die ohne Eltern im Kreis leben, werden gesondert gezählt und betreut.

Von Benedikt Dittrich

Quelle: HNA

Kommentare