Sammler sollten sich auskennen

Den Pilzen auf der Spur

Bert Werner

Röhrenfurth. Bert Werner geht den Waldweg in Röhrenfurth entlang und bleibt alle paar Meter stehen. "Da haben wir schon wieder einen", sagt der Pilzsachverständige. Vorsichtig hebt er einen Pilz aus und riecht an ihm. "Das ist ein Knoblauchschwindling. Er duftet und schmeckt nach Knoblauch."

Pilzsammler kommen derzeit voll auf ihre Kosten. Überall schießen Wildpilze aus dem Boden. Allerdings ist bei der Ernte Vorsicht geboten, denn viele Arten sind giftig und nur schwer von den ungiftigen zu unterscheiden. Ihr Verzehr kann schreckliche Folgen haben: "Schlimmstenfalls kann er zum Tode führen", warnt Bert Werner.

Im Zweifel Experten fragen

Daher rät er, Pilze nur zu essen, wenn absolut sicher ist, dass es sich um ein ungiftiges Exemplar handelt. "Im Zweifel sollte man einen Experten zu Rate ziehen", sagt er. Pilzsachverständige wie er würden gerne weiterhelfen, wenn Unsicherheit besteht.

"Wer Pilze ernten will, sollte sie schneiden oder vorsichtig ausheben, damit die Wurzel, das Myzel, nicht verletzt wird", erklärt Werner. Nur so könne immer wieder ein neuer Fruchtkörper wachsen. Geerntete Pilze sollten nicht in Plastiktüten und nicht länger als zwei Tage im Kühlschrank aufbewahrt werden.

Grob unterteilt gibt es drei Gruppen von Pilzen: Röhrlinge oder Porenpilze, Blätter- oder Lamellenpilze und Nichtblätterpilze. Anfängern rät Werner, mit dem Sammeln von Röhrlingen und Porenpilzen zu beginnen. Diese Pilze haben ein schwammiges Röhrengewebe an der unteren Hutseite, das sich meist leicht ablösen lässt.

Pilze dieser Gruppe, zu der auch der Steinpilz gehört, sind in der Regel relativ ungefährlich und essbar. "Eine Ausnahme bilden allerdings Röhrlinge mit roten Poren", warnt Werner.

Der Gallenröhrling beispielsweise ist der giftige Doppelgänger des Steinpilzes. Er unterscheidet sich vom Steinpilz durch seine leicht rosafarbene Röhrenmündung und durch seinen bitteren Geschmack. Um den zu testen, kann man ein kleines Stückchen vom Hut abbrechen und kauen. Allerdings darf man das Stück keinesfalls herunterschlucken, sondern muss es unbedingt ausspucken.

Die zweite Gruppe bilden die Blätter- oder Lamellenpilze. Sie haben auf der Hutunterseite eine blatt- oder lamellenartige Fruchtschicht. Zu ihnen gehört auch der Champignon, der ein beliebter Speisepilz ist.

Ihm ähnelt beispielsweise der giftige Karbolchampignon. "Wenn man die Stielbasis des Karbolchampignons durchschneidet, verfärbt sich das Fleisch stark gelb", erklärt Werner. "Anfänger sollten Lamellenpilze lieber meiden, da zu dieser Gruppe sehr viele giftige Arten zählen", rät er.

Die dritte Gruppe ist die der Nichtblätterpilze. Zu ihr gehören so unterschiedliche Arten wie Pfifferlinge, Trüffel und Morcheln. Der Echte Pfifferling hat zum Beispiel mit dem Falschen Pfifferling einen Doppelgänger. "Er ist zwar essbar, aber minderwertig und wirkt teilweise abführend", sagt Werner.

Zu erkennen ist er ist an seiner mehr orangeroten Farbe und an seinen dicklichen, aber blattartigen Lamellen. Schneidet man den Pilz an, zeigt der Echte Pfifferling ein weißes Fleisch mit einem gelben Rand, während der Falsche Pfifferling durchgehend gelblich bis orange ist.

"Beim Pilzesammeln ist also Vorsicht angesagt", warnt Werner. Sammler sollten sich auskennen und genau prüfen, ob der geerntete Pilz in den Kochtopf darf, damit der Genuss ungetrübt bleibt.

Von Nicole Schippers

Quelle: HNA

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