Unwetter spülte Schlamm-Massen von einem Acker in den Keller von Ralf Adam

Vor der Pizza kam die Flut

Schlamm ohne Ende: Ralf Adam reinigt seinen Hof von den Überresten der braunen Flut. Rechts eine der Garagen, durch die das Wasser in den Keller drückte. Foto:  Norbert Müller

Elbenberg. „Es war wie im Film“, sagt Ralf Adam, und vor lauter Aufregung über die Geschehnisse in der Nacht ist ihm auch am Samstagnachmittag noch nicht anzumerken, dass er seitdem noch keinen Schlaf gefunden hat.

Es war am Freitag kurz vor 22 Uhr, die Familie wartete auf den Pizza-Boten. Der Regen trommelte gegen die Fenster, man hatte es gemütlich, saß im Trockenen.

„Da rauscht doch was“

Dann war da plötzlich dieses Geräusch. Als Erstem fiel es Vater Ralf auf: „Da rauscht doch was.“ Er wurde unruhig, wollte der Sache auf den Grund gehen, machte sich auf den Weg in den Keller. Und da war sie, die Ursache für das Rauschen: Durch die Tür zur Doppelgarage ergoss sich ein schlammiger Schwall ins Kellergeschoss, die Brühe stieg unerbittlich, drang in die Kellerbar, das Bad, den Heizungskeller, die übrigen Räume.

Dann fiel unten das Licht aus. Oben hatte man inzwischen das Unglück mitbekommen und die Feuerwehr alarmiert. Während die Brandschützer mit Pumpen anrückten, schafften es Ralf Adams Söhne gerade noch, ihre beiden Autos aus dem abschüssigen, vor den Garagen liegenden Hof zu retten und an die Bergstraße zu fahren. Ralf Adams Auto und das seiner Schwiegermutter blieben in den gefluteten Garagen.

Dümpelnde Gefriertruhen

Beim Eintreffen der Feuerwehren aus der Naumburger Kernstadt und Altendorf - die Elbenberger pumpten bereits auf einem Aussiedlerhof den Keller leer - dümpelten Gefriertruhen und Mobiliar in der schlammigen Brühe.

Als die Pumpen der Wehren gestartet wurden, stand die Flut gute 80 Zentimeter hoch im Keller, und es kam noch immer Wasser nach. Von wo der Schwall kam, war bald entdeckt. Keine 50 Meter oberhalb des Anwesens am Ortsende, war am Vortag ein Feld bestellt worden. Die nasse Erde war nicht in der Lage, den Regen aufzunehmen. Immerhin, so wurde gemessen, kamen am Freitagabend innerhalb von nur eineinhalb Stunden 37 Liter je Quadratmeter in Elbenberg vom Himmel. Und die suchten sich ihren Weg.

Vom großen, am Hang gelegen Acker rauschte das Wasser in den unteren, am Ortseingang gelegenen Zipfel. Auf seinem Weg riss es Erde mit sich, überrollte einen Abfluss am Wegesrand, der den Massen nicht gewachsen war, rauschte durch den Garten von Adams Nachbarn und dann direkt in den tiefliegenden Hof und die Garagen.

Ein städtischer Mitarbeiter zog noch mit einem Bagger am Ackerrand eine Entlastungsrinne, um die Massen in den Straßengraben zu leiten. Doch da war Adams Keller schon ruiniert.

Keller ruiniert

Gut drei Stunden, erzählt der 56-Jährige, haben die Feuerwehren gepumpt. Dann war das Wasser im Wesentlichen raus aus dem Haus, aber noch viel Schlamm geblieben.

Am Samstag schuftete er mit seinen Jungs und Freunden, um die braune Masse loszuwerden. Die wichtigsten Hilfsmittel: Eimer und Schneeschieber. Mit einem Feuerwehrschlauch wurde gespült.

„Seit 30 Jahren wohnen wir hier“, sagt Rolf Adam, „noch nie hatten wir einen Tropfen Wasser im Keller. „Und jetzt“, sagt er, „ist mir das Haus regelrecht abgesoffen.“ Bis alles wieder in Ordnung ist, befürchtet Adam, „habe ich noch Wochen zu tun.“

Quelle: HNA

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