Bildungs- und Erziehungsplan in Fritzlar vorgestellt - Zweifel an Umsetzung

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Zweifel an der Praxis: Pfarrerin Anke Zimmermann in der Diskussionsveranstaltung in Fritzlar.

Fritzlar. Um Bildung von Anfang an soll es beim Bildungs- und Erziehungsplan (BEP) gehen. Dieser wurde in einer Veranstaltung des Hessischen Kultusministeriums in der Fritzlarer Stadthalle vorgestellt. Lehrer, Erzieher und andere Fachkräfte nahmen daran teil.

Gastredner war Professor Wassilios Fthenakis, Direktor des Instituts für Bildungs- und Familienforschung in München und Präsident des Verbandes der Bildungswirtschaft. Er referierte über die Grundlagen des Bildungsplanes, der für Kinder von null bis zehn Jahren gelten soll. Fthenakis hatte an dem Plan mitgearbeitet. In einer zweijährigen Probephase hatte das Land den Plan 2007 auf den Weg gebracht.

Kinder sollen mit ihren Stärken und Neigungen gefördert werden. Dazu sei eine gute und konsequente Zusammenarbeit von Kindergärten und Grundschule gefragt, das wird dann Tandems genannt. Eltern, Tagesmütter, Vereine und weitere Bildungseinrichtungen sollen eingebunden werden.

Erst wenn das Selbstbewusstsein der Kinder durch die Erkenntnis ihrer Stärken entwickelt sei, könne man in diesem Rahmen auch Schwächen angehen und verbessern, sagte Bildungsforscher Fthenakis.

Um den BEP umzusetzen, müssen die Fach- und Lehrkräfte geschult werden. Wer sich zurzeit in der Ausbildung befinde, bekomme das nötige Rüstzeug mitgegeben.

Alle anderen hätten die Möglichkeit, sich in Seminaren fortzubilden. Durch dieses Angebot seien bereits 23 000 Fachleute ausgebildet worden, sagte Heike Hofmann-Salzer vom Ministerium. In Hessen gebe es schon mehr als 500 Tandems.

Im Schwalm-Eder-Kreis werde das Konzept seit einiger Zeit in Homberg umgesetzt, sagte Elmar Töpfer vom Staatlichen Schulamt in Fritzlar. Dort arbeiteten Kindergarten und Grundschule erfolgreich zusammen.

In der Diskussion nach Fthenakis’ Vortrag in Fritzlar wurden Zweifel an der praktischen Umsetzung des Konzepts laut. Bei Gruppengrößen von 25 bis 30 Kindern sei eine Einzelförderung kaum möglich. Es sei nicht zwingend nötig, viele Angebote zu haben, entgegnete der Professor, vielmehr müssten sie gut organisiert sein.

Pfarrerin Anke Zimmermann aus Homberg zweifelte die Wirksamkeit der Tandems an, wenn Kinder in die leistungsorientierte Schulphase einträten.

Susanne Dittmar vom Hessischen Kultusministerium räumte ein, dass das Notensystem oft dem Prinzip des Bildungsplans entgegen laufe. Es gelte jedoch, dass auch die Grundschulen in Hessen sich nach dem BEP orientieren müssten. (zen)

Quelle: HNA

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