Zwischen den Fronten im Nahen Osten

Plötzlich flogen Raketen: Familie aus Borken war auf dem Kreuzfahrtschiff

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Borken/Ashdod. Es ist nur ein kleines schwarzes Teilchen, etwa so groß wie ein Fingerglied. Aber für die Familie Waldmann aus Borken ist es das Andenken an einen Tag, als sie zwischen die Fronten des Konflikts zwischen Israelis und Palästinensern geriet.

Der schwarze Splitter sei aus Kohlenstoff, sagt Florian Waldmann. Er soll von einer Patriot-Abwehrrakete stammen, die eine palästinensische Rakete in der Luft zerstört hat. Die Waldmanns hatten eine Kreuzfahrt auf der Aida Diva gebucht. Es ging von Antalya in der Türkei zunächst nach Zypern und dann in den Hafen von Ashdod in Israel, 25 Kilometer vom Gaza-Streifen entfernt.

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Der Tag mit Ausflügen ins Land sei noch ruhig verlaufen, erinnert sich Angelika Waldmann. Sie war in Jerusalem und Bethlehem. Auf den Straßen sei es relativ leer gewesen, und der Reiseleiter in Jerusalem habe sie an bestimmt Orte nicht geführt. Die Israelis, die die Gruppe führten, seien etwas nervös gewesen, und eine Gruppe habe auf der Rückfahrt zum Schiff einen längeren Umweg nehmen müssen.

Doch alle Touristen schafften es pünktlich zur Aida, um 20 Uhr sollte das Schiff ablegen. Waldmanns saßen beim Abendessen, als die Ansage des Kapitäns kam, das Raketen abgeschossen worden seien.

„Im Speisesaal hätte man eine Stecknadel fallen hören können“, erinnert sich Angelika Waldmann. Ein Sicherheitsmann hätte gesagt, die Sache sei harmlos. Er sei auch schon im Irak gewesen.

Ein Passagier habe den Bundesnachrichtendienst informiert, hat Waldmann gehört. Das Fernsehen habe sich gemeldet. Und auf dem Deck lagen Teile der zerstörten Rakete. Besonders schlimm sei die Situation für die älteren Passagiere gewesen, die sich noch an den Weltkrieg erinnern konnten. „Die waren voller Panik“, sagt Angelika Waldmann.

Später hätten sie erfahren, dass die Rakete der Palästinenser offenbar gezielt auf ein Kraftwerk und eine Raffinerie in Ashdod gerichtet gewesen sei. Das Kreuzfahrtschiff nahm Fahrt auf und verließ den Hafen. Man habe gesehen, dass weiter geschossen wurde. Angelika Waldmann machte das nachdenklich: „Wir fuhren weg, aber die mussten da bleiben.“

Der Blick auf das Land und den Konflikt habe sich bei ihnen sehr verändert, sagen die Waldmanns. Und Sohn Florian fasst den Tag in Israel so zusammen: „Man denkt an nichts, und abends bricht die Hölle los.“

Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

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