Am Sonntag große Hilfsaktion

Plötzlich Pflegefall: 46-Jährige ist nach OP halbseitig gelähmt

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Gefangen im eigenen Heim: Jede Stufe stellt eine unüberwindbare Hürde für Silke Keller dar, die nach einem Gehirntumor an den Rollstuhl gefesselt ist. Auch Tochter Kristin wünscht sich nichts mehr als einen Treppenlift, damit ihre Mutter wieder selbstständig das Haus verlassen kann.

Balhorn. Ein Tumor im Gehirn, zwar gutartig, dennoch eine Horrordiagnose, die das Leben von Silke Keller im März dieses Jahres veränderte. Auch für Ehemann Andreas und die Töchter Kristin und Isabelle eine Herausforderung, denn acht Monate nach der Hiobsbotschaft ist die Mutter ein Pflegefall.

Vorbei die Zeiten, in denen sie mit Walkingstöcken durch die Felder lief, sich als Verkäuferin fröhlich um ihre Kunden kümmerte und voller Elan den Haushalt der Familie schmiss. Nichts geht mehr. Dabei hatten ihr die Ärzte Hoffnung gemacht, als sie Anfang März nach einer Kernspintomographie den schockierenden Befund erhielt. Der gutartige Tumor, ein sogenanntes Meningeom, war zwar sehr groß, saß aber an einer für die Chirurgen gut erreichbaren Stelle.

Nun sollte alles ganz schnell gehen, schließlich wollte die Patientin zur Konfirmation ihrer jüngsten Tochter Kristin im Mai wieder topfit sein. Doch es sollte alles anders kommen. Während der Operation im Kasseler Klinikum erlitt Silke Keller mehrere Schlaganfälle. Binnen Sekunden war aus der lebensfrohen Frau ein Pflegefall geworden, die komplette linke Körperhälfte ist seitdem gelähmt, ohne Rollstuhl kann sie sich nicht fortbewegen.

„Warum ausgerechnet ich?“, fragt sich die 46-Jährige. Das Sprechen fällt ihr schwer, wie alles andere auch, was vorher selbstverständlich war. „Ich kann nichts mehr allein machen, nicht einmal auf Toilette gehen“, sagt sie und beginnt zu weinen. Es ist einer jener Momenten, in denen ihr die Familie Mut zuspricht, sie aufbaut, einfach für sie da ist.

„Wir sind noch enger zusammengerückt“, sagt Tochter Kristin, die nun viele Dinge tun muss, um die sich zuvor ausschließlich ihre Mutter gekümmert hat. „Ich habe viele Veränderungen in meinem Leben zulassen müssen, und das mit 15 Jahren, doch auf die Weise kann ich meiner Mutter auch etwas zurückgeben.“

So tapfer wie ihre Tochter die Situation meistert, erträgt auch Silke Keller ihr Schicksal. Voller Optimismus blickt sie nach vorn, hat sich fest vorgenommen, in fünf Jahren wieder laufen zu können. Bis dahin ist noch viel zu tun, regelmäßige Therapiesitzungen sind das eine, die kleinen Dinge des Alltags meistern das andere.

Dafür bedarf es finanzieller Mittel, über die die Familie nicht verfügt. Denn obwohl Silke Keller schon seit 16. Oktober aus der Reha zurück ist, wartet sie noch immer auf die Einstufung durch den Medizinischen Dienst, ohne das dringend nötige Geld zur Anschaffung eines Treppenlifts oder für sonstige Umbauten im Haus nicht fließt. „Ich bin für die doch nur eine Nummer“, klagt sie und wünscht sich ein wenig mehr Menschlichkeit, Verständnis und Unterstützung von Seiten der Behörden, Kranken- und Pflegekasse.

Dinge, die für Freunde und Familie der Erkrankten selbstverständlich sind, wie auch für den Handballverein von Tochter Kristin. Am Sonntag sind alle, die die Familie unterstützen wollen, von der Spielgemeinschaft Hoof/Sand/Wolfhagen zu einem Aktionstag in die Schauenburghalle nach Hoof eingeladen.

Die Spielgemeinschaft Hoof/Sand/Wolfhagen veranstaltet am Sonntag in der Schauenburghalle in Hoof einen Aktionstag zugunsten der Balhorner Familie.

Neben den angesetzten Serienspielen ab 9.45 Uhr sind zahlreiche Aktionen geplant. Für 12.15 Uhr haben sich Spieler der MT-Melsungen angekündigt, die für Gespräche und Autogramme zur Verfügung stehen und zudem einen handsignierten Ball und ein Trikot versteigern wollen. Die Einnahmen aus dem Essen- und Getränkeverkauf kommen der Familie ebenso zugute wie die Eintrittsgelder, deren Höhe die Besucher diesmal selbst bestimmen.

Von Sascha Hoffmann

Quelle: HNA

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