Pogromnacht 1938

Pogromnacht 1938: Viele Menschen gedachten der Opfer

Historische Darstellungen: Berrnd Lindenthal reichte sie beim Stadtrundgang zum Gedenken an die jüdische Bevölkerung Treysas herum. Foto: Heist

Schwalm. In Treysa, Frielendorf und Neukirchen gedachten am Freitag zahlreiche Menschen der Opfer der Pogromnacht 1938. An der ehemaligen Synagoge in Frielendorf nahmen sie an einer Andacht teil.

Schuld habe auch die Kirche gehabt, sagte Pfarrer Richard Heymann-von-der Lühe. Viele Pfarrer seien deutsch-national eingestellt und mit der eigenen Selbsterhaltung beschäftigt gewesen. Zum Gedenken wurde ein Kranz an das Gebäude der ehemaligen Synagoge gehängt, und die Konfirmanden verteilten Blüten, die niedergelegt wurden. „Wir müssen uns zu unserer Schuld bekennen und ausdrücken, dass es sie gibt“, sagte Bürgermeister Birger Fey.

Großen Zuspruch fand in Treysa ein Stadtteilspaziergang zur Erinnerung an das jüdische Leben in der Stadt mit dem Historiker Bernd Lindenthal. „In Treysa begannen die Pogrome schon am Vormittag“, berichtete er. 40 bis 50 junge Leute seien für „die Randale“ vom Unterricht befreit worden.

Heute erinnern in Treysa und Ziegenhain 25 Stolpersteine wie die vor dem einstigen Wohnhaus der Familie Moses an das Schicksal der Juden.

In Neukirchen leuchteten Freitagabend vor dem Gedenkstein in der Neukircher Untergasse Kerzen. Vor der ehemaligen Synagoge trafen sich 70 Menschen, um an die Reichspogromnacht 1938 zu erinnern.

Pfarrerin Nora Dinges und und ihr katholischer Kollege Pater Piotr Pasko forderten die Gäste auf, inne zu halten. Ewald Dilling spielte nachdenklich stimmende Klänge auf der Klarinette. Die Geistlichen riefen zu mehr Respekt und Toleranz im Umgang mit anderen Religionen, aber auch mit Menschen allgemein auf. Schüler der Melanchthon-Schule verlasen anschließend im Rathaussaal Zeitzeugenberichte. Junge Leute der Steinwaldschule erinnerten an die Verfolgung der Familie Sohn. Fotos der Novemberpogrome aus Hessen zeigte Festrednerin Monica Kingreen, Leiterin des Pädagogischen Zentrums des Jüdischen Museums in Frankfurt.

Während der Naziregimes wurden alle Juden aus Neukirchen vertrieben oder verschleppt, die Synagoge verwüstet. Damals lebten 27 jüdische Familien - 101 Menschen - in der Stadt. Gedacht wird ihrer in Neukirchen seit 1993, als ein Gedenkstein an der ehemaligen Synagoge aufgestellt wurde. (zty/zsr/zhk)

Quelle: HNA

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