Kultur vor Ort präsentierte das Kabarettduo „Das Geld liegt auf der Fensterbank, Marie“

Pointen in Loriot-Manier

Raffiniert und wortwitzig: Friedolin Müller und Wiebke Eymess präsentierten ihr Programm „Paradiesseits“ in der Hospitalskapelle in Treysa. Foto: Rose

Treysa. Paradiesseits – der Titel des Programms von Friedolin Müller und Wiebke Eymess klingt virtuos, verträumt, aber auch vage und vielversprechend. Sprachjonglage nennen das die Hannoveraner Künstler. Schnell, frech und lebensklug nahm das Kabarettduo „Das Geld liegt auf der Fensterbank, Marie“ am Freitagabend seine Zuhörer mit ins Diesseits von Eden und Jenseits aller Gegenwart.

Eingeladen hatte dazu der Verein Kultur vor Ort. Vor ausverkauftem Haus mimten Müller und Eymess ein real-fiktives Liebespaar, das sich in bester Loriot-Manier in urkomische Zwiegespräche verstrickte – scheinbar harmlos parlierte man über Unzulänglichkeiten der Geschlechter, enttarnte Fallstricke und verpackte darin bitterböse Pointen.

Mit sinnlicher Lust gab sich das Paar seinem Streitspiel hin, verwandelte federleichte Witze in subtile Poesie. Hintergründig, bisweilen verstörend, auf der Suche nach dem Paradies auf Erden. Dass man dazu aufs Land ziehen müsse, dessen war sich Wiebke Eymess sicher: „Meine Hobbys wären dann, mit den Kindern Tischdeko aus Naturmaterialien zu sammeln und für Freunde aus kontrolliert biologischem Anbau zu kochen.“ Müller konterte: „Du hast gar keine Hobbys. Das hast du in der Landlust gelesen.“ Aber dann sei auch das Konzept Kind überholt, erklärte Eymess: „Ich dachte immer, ich will in diese schreckliche Welt keine Kinder setzen. Aber jetzt denke ich, wir können dieser Welt keine schrecklichen Kinder mehr zumuten.“

Skurriler Schabernack

Dass sich Paare irgendwann nichts mehr zu sagen haben, transportierten die Kabarettisten mit subtiler Komik: „Bei Lidl gibt es jetzt winterharte Palmen – und da soll nochmal einer sagen, wir hätten uns nichts zu sagen.“ Nachdenklich Kritisches traf auf skurrilen Schabernack: „Mein Kopf ist doch keine Sondermülldeponie für Informationsschrott“, rechtfertigte Eymess ihres Wissenslücken. „Ich mache gerade einen Rückbildungskurs – deswegen kann ich mir nichts merken.“

Herzerfrischend diskutierte das Paar über ein Haustier. Müllers erste Wahl – eine Katze. Eymess bilanzierte: „Stadtkatzen haben eine ganz schlechte CO2-Bilanz. Katzen sind Klimakiller. Wir haben ein anderes Statussymbol. Einen Hamster von der Hamsternothilfe Nord.“ Wie sich Wiebke denn das Landleben bei ihrer Spinnenphobie vorstelle, fragte Müller. Mit Spinnen könne sie sich arrangieren: „Die sind ja nicht gemietet, sondern die hauseigenen.“ Unlängst habe sich eine an ihrem Spiegel im Polo eingenistet. Alsbald habe sie sich fürs Paradies entschieden: „Die E-Klasse mit beheizbarem Außenspiegel.“

Mit Raffinesse und höchstem Wortwitz kehrte das Paar vor seiner eigenen Tür – vorzugsweise das hinüber gewehte Laub vom Baum der Erkenntnis. Das Publikum war restlos begeistert. Auf dem Weg ins Paradiesseits gab es noch zwei Zugaben.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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