Thorsten Schäfer-Gümbel am Silbersee

Politik, wo andere ausspannen

Eine Runde auf der Mini-Eisenbahn: Alf Hirmer (rechts) dampfte mit Landtagsabgeordneter Regine Müller, SPD-Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel (hinter ihr) und dem Bundestagsabgeordneten Edgar Franke am Silbersee entlang. Foto: Quehl

Frielendorf. So entspannt kann Wahlkampf sein: Einen Nachmittag mit gut gelauntem Publikum bei bestem Sommerwetter verbrachte Thorsten Schäfer-Gümbel am Frielendorfer Silbersee.

Der Spitzenkandidat der hessischen SPD für die Landtagswahlen ließ dabei am Sonntag kaum eine der Freizeitattraktionen aus - abgesehen von einem Bad im 25 Grad warmen Seewasser. Statt dessen testete er die Rodelbahn, fuhr auf der Mini-Eisenbahn und ließ sich in die Kletterpraxis einweisen.

Zwischendurch plauderte der 43-jährige SPD-Partei und Fraktionsvorsitzende etwa mit Bobbahnbetreiber Stefan Groll und Teilnehmern des Rundgangs, den Frielendorfs Bürgermeister Birger Fey mit viel Marketinggeschick anführte, indem er dem Landesvorsitzenden seiner Partei eindrucksvolle Fakten mitgab. 80 Arbeitsplätze bieten die Betriebe direkt am See, doch indirekt hängen viel mehr Jobs dran, von der Ladenkraft bis zum Handwerker. 

Viele Millionen Euro haben die Urlauber seit 1978 im Ort gelassen, pro Jahr besuchen allein 1,5 Mio. Tagestouristen den ehemaligen Braunkohletagebau. Die Vielfalt der Angebote sei es, mit der der See punkte, sagte Fey, „einen halbherzigen Tourismus kann es nicht geben“.

Ob die Besucher bald auf einer kompletten Autobahn 49 an den Silbersee reisen? Schäfer-Gümbel ist selbstredend für das Projekt, aber: „Das größte Risiko ist die Finanzierung.“ Die müsse der Bund sicherstellen und die A 49 dann durchbauen. Wichtiger sind dem Kandidaten andere Aspekte. Als Regierungschef will er Antwort darauf geben, wie die Menschen auf dem Land die Energiekosten für ihre Mobilität überhaupt noch bezahlen können. 

Zusammen mit Susanne Selbert (Kassel), die im Falle seiner Regierungsbildung das Ressort Verbraucherschutz und Umwelt leiten soll, will Schäfer-Gümbel in einem neuen Hessenplan eine andere Strukturpolitik entwerfen, „die Zentralismusstrategie war falsch“. Doch kann die Hessen-SPD am 22. September, wenn eben auch der Bundestag gewählt wird, gewinnen? „Man hat mich schon gefragt, was ich tue, wenn ich gegen Angela Merkel verliere. Da erinnere ich daran, dass ich eine phantastische Frau und drei tolle Kinder habe, ich kann auch etwas anderes machen als Politik.“

Aber bange machen gilt natürlich nicht, der 43-Jährige gibt sich siegesgewiss: „An solch einem Wahltag wird es eine hohe Wahlbeteiligung geben, und das ist gut für uns.“ Und die Bundes-SPD, belastet die nicht die hessischen Genossen? „Ach, aus Hessen kriegen die noch Rückenwind“, sagt Schäfer-Gümbel routiniert und lachend. Schließlich ist er auf Wahlkampftour - und nicht zum Ausspannen am Silbersee.

Von Anne Quehl

Quelle: HNA

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