Polizei: Veranstaltungen gleichen Kaffeefahrten

Polizei, Kirche und Mediziner warnen vor selbsternannten Heilern

Liegt derzeit in vielen Briefkästen: Eine Einladung des Bruno-Gröning-Freundeskreises. Die Polizei rät, den Flyer wegzuwerfen. Foto:  Wüllner

Zierenberg. „Medizinisch geprüfte Heilungen", „auf der Basis von medizinischen Befunden unabhängiger Ärzte belegt und dokumentiert": Das verspricht der Bruno-Gröning-Freundeskreis auf Flyern, die derzeit in vielen Briefkästen im Wolfhager Land liegen.

„Hilfe und Heilung auf geistigem Weg“ verspricht die Broschüre und das „medizinisch beweisbar“. Der Kern der angeblichen Heilungen ist der „göttliche Heilstrom“, der Krankheiten wie Ängste, Depressionen, Allergien und ähnliches heilen könne. Auch Süchte könnten dauerhaft auf geistigem Weg geheilt werden, so das Versprechen.

Dabei würden keine „finanziellen oder rechtlichen Bindungen“ bestehen. Der Eintritt zu den Veranstaltungen ist frei. Eine solche findet unter anderem am Sonntag, 19. April, um 15 Uhr im Zentrum Helfensteine in Zierenberg statt. Dort wird Dr. C. Frehse referieren, wird angekündigt. Dafür werde lediglich um eine Spende gebeten, heißt es in dem Flyer.

„Solche zwielichtigen Flyer sollte man gleich in den Papierkorb werfen“, rät Wolfgang Jungnitsch, Sprecher des Polizeipräsidiums Nordhessen. Diese Veranstaltungen seien ähnlich wie Kaffeefahrten. „Man sollte auf den gesunden Menschenverstand setzen.“ Verhindern kann die Polizei Veranstaltungen wie diese aber nicht. „So lange nichts offenkundig Strafbares vorliegt, können wir nichts machen“, sagt Jungnitsch. Derzeit liege nichts strafrechtlich relevantes vor.

Auch die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck sieht den Bruno-Gröning-Freundeskreis kritisch. „ Diese Kritik bezieht sich auf unterschiedliche Punkte, die zum einen die heilsvermittelnde Person Bruno Grönings, zum anderen die übersteigerten Heilsversprechen und schließlich die christlich-theologische Perspektive betreffen“, sagt Pfarrer Oliver Koch, Beauftragter für Sekten und Weltanschauungsfragen.

Der behauptete wissenschaftliche Nachweis der Wirkung des „Heilstroms“ wird von der Kirche „stark angezweifelt“, der Freundeskreis vertrete ein okkult-magisches Weltbild. Die Gruppe sei theologisch gesehen neuoffenbarerisch einzuordnen und gebe sich einen „pseudo-wissenschaftlichen Anstrich“. Durch die Werbungen wecke der Freundeskreis „große Erwartungen in Menschen, die teilweise schwer krank sind“, so Pfarrer Oliver Koch. „In meiner Beratungsarbeit erlebe ich Menschen, die nach einiger Zeit schwer enttäuscht und frustriert sind und sich - wenn sie das können - wieder vom Bruno-Gröning-Freundeskreis abwenden. Sie berichten von einer Art Erfolgsdruck, gesund zu werden.“

Auch Mediziner sehen die Gruppierung skeptisch. Dr. Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach, Präsident der Landesärztekammer Hessen, macht die Position der Ärztekammer deutlich: Man stehe dem Freundeskreis „bezüglich medizinischer Heilungsversprechen ablehnend gegenüber“. Die Organisation vertrete keine „medizinische Fachmeinung, sondern eine esoterische Weltanschauung“, so der Mediziner. Belege für die medizinische Prüfung angeblicher Heilungen würden nicht vorliegen.

Vom Bruno-Gröning-Freundeskreis war keine Stellungnahme zu bekommen.

Quelle: HNA

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