Hans-Friedrich „Fitti“ Günther engagiert sich seit 59 Jahren für den FSV Rot-Weiß Wolfhagen

Polizei stoppte Fahrt zum Punktspiel

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Kickernostalgie: Beim Ü60-Treffen des FSV Wolfhagen wurde die alte Fußballzeit wieder lebendig.

Wolfhagen. Das Ü60-Treffen des Fußballsportverein (FSV) Rot-Weiß Wolfhagen hat Tradition. Da kommen immer am ersten Freitag im Januar die Männer zusammen, die in den Wiederaufbaujahren nach dem Zweiten Weltkrieg ein wesentliches Stück 87-jährigen Vereinsgeschichte mitgeschrieben haben.

Diesmal waren 25 von ihnen ins Vereinsheim Liemeckestadion gekommen, die mit ihren Anekdoten die gute, alte Kickerzeit wieder zum Leben erweckten.

Unter ihnen war auch Hans-Friedrich Günther, der von allen nur „Fitti“ genannt wird. Im Alter von elf Jahren kam er 1954 zu den Rot-Weißen. Im Verein gab es damals als unterste Jugendmannschaft nur eine C-Schülerelf, in der man offiziell erst ab dem zwölften Lebensjahr spielen konnte. Kontakte zum FSV knüpfte Hans-Friedrich Günther aber schon viel früher. Sein Vater, ein Fahrlehrer, kutschierte die Wolfhager Seniorenkicker in seinem alten Holzvergaserbus zu Auswärtsspielen. Hans-Friedrich: „Da durfte ich öfters mitfahren.“

Einer dieser Transporte bleibt für „Fitti“ unvergessen. „Wir, das waren 14 Jungens, sollten von Kurt Kleinhardt in dessen Getränkelieferwagen alle auf einmal zu einem Spiel in Volkmarsen gefahren werden. Bei der Abfahrt am Vereinslokal tauchte zufällig die Polizei auf. Sie untersagte den Gesamttransport, genehmigte nur das Mitfahren von neun Spielern. Der Rest, ich gehörte auch dazu, musste laufen. Im Trikot und in Stollenschuhen.“

Fahrzeug hatte Panne

Das Auto gab in Volkmarsen jedoch seinen Geist auf, musste stundenlang repariert werden. Mit dem Ergebnis, dass es kein Spielergebnis gab. Die Partie fiel aus. Bei der Heimfahrt – inzwischen war es bereits dunkel – blieb das Auto am Sauerbrunnen erneut liegen. Hans-Friedrich Günther: „Alle Spieler mussten zurück nach Wolfhagen laufen. Besorgte Eltern waren bei der Polizei vorstellig geworden, die sich auf die Suche machte, uns aufgriffen und in kleinen Gruppen im Polizeiauto nach Hause fuhren.“

Richtige Stollenschuhe konnte sich damals keiner leisten. „Gespielt haben wir in hohen Straßenschuhen. Ich ließ mir vom Schuster jedesmal vor einem Spiel Lederstollen unter die Sohlen nageln.“

1963 wechselte Hans-Friedrich die Seiten; er stand nun für den FSV als Schiedsrichter auf dem Rasen. 30 Jahre lang pfiff er Begegnungen, als Linienrichter war er sogar in der Oberliga aktiv. Und „Fitti“ schaute über den Vereinstellerrand hinaus. Zuerst als stellvertretender, danach als Kreisschiedsrichterobmann des Fußballkreises Wolfhagen. Er wurde Geschäftsführer des von ihm mitgegründeten Schiedsrichter-Freundeskreis Wolfhagen, zudem sich später noch Hofgeismar gesellte.

Derzeit ist er FSV-Ehrenratssprecher, Ehrenamtsbeauftragter und Schiedsrichterbetreuer. Er führt die EDV-Mitgliederkartei seines Stammvereins. Für sein Engagement nahm Hans-Friedrich Günther zahlreiche Ehrungen in Empfang. (zih)

Quelle: HNA

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