Polizeiaktion in Verna: „Das hat sich ganz leise abgespielt“

Frielendorf-Verna. Es passierte weitestgehend geräuschlos: Die Falle der Beamten des SEK und MEK (Mobiles Einsatzkommando) schnappte zu, als der 38-Jährige mit seiner Freundin durch die Haustür kam.

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Seinen BMW, den er vor dem Haus abgestellt hatte, erreichte der mutmaßliche Mörder nicht mehr. Gerade noch war er Gast auf einer Geburtstagsfeier gewesen, und nun hatte er Handschellen um seine Handgelenke. Von dem Polizeieinsatz bekamen nur wenige in der Straße etwas mit. Wir hörten uns vor Ort um. Karl-Heinz Tautermann, ein Nachbar des betreffenden Hauses, schaute gerade Fernsehen, als sein Sohn zu ihm kam.

„Er fragte mich: Hast du schon mal raus geschaut?!“. Tautermann ging zum Fenster, zog das Rollo ein Stück hoch und sah das Blinken von Blaulichtern. Vor die Tür wollte er aber lieber nicht gehen. „Ich wollte da nicht zwischen rumwurschteln.“ Bis der Familienvater am Fenster stand, hatte er von dem Großeinsatz der Polizei nichts mitbekommen. „Das hat sich ganz leise abgespielt.“

Tautermann kennt die Bewohner, die in dem Haus wohnen. Er sei früher dort auch zu Geburtstagsfeiern eingeladen gewesen. Es tue ihm leid, dass seine Nachbarn nun das „ganze Theater mit der Presse“ hätten. Den Mann und die Frau, die als Gäste eingeladen waren, kennt Tautermann aber nicht. Erst am nächsten Morgen hat der Nachbar im Radio erfahren, wem dieser Polizeieinsatz gegolten hatte. „Ich habe von dem Mord aus Fulda in den Nachrichten gehört. Es hätte ja keiner gedacht, dass sich so etwas bei uns in der Nähe abspielt.“

Ein ungutes Gefühl, dass sich möglicherweise ein Mörder nur wenige Meter von seinem Haus entfernt aufhielt, habe er noch nicht. „Aber das kommt vielleicht noch, wenn ich richtig darüber nachdenke“, sagt Tautermann. Einige Anwohner der Straße hatten sich am Montagabend sehr wohl auf die Straße getraut. Sie wurden aber durch die Polizei vom Einsatzort ferngehalten. Neben der Sonderkommission „Eller“ waren auch Beamte der örtlichen Polizei involviert, sagt Polizeisprecher Reinhard Giesa aus Homberg. Nähere Angaben zum Polizeieinsatz kann die zuständige Staatsanwaltschaft Fulda nicht machen. „Die Verdächtigen sind vorläufig festgenommen“, sagte Harry Wilke, Sprecher der Fuldaer Staatsanwaltschaft.

Hintergrund zum Presseandrang:

Am Tag nach der Festnahme tummelte sich ein großes Presseaufgebot mit mehreren Kamerateams vor dem betreffenden Haus. Weil sich die Bewohnerin durch Anfragen belästigt fühlte, informierte sie den Ortsvorsteher Gerhard Baier. Dieser wiederum informierte die Polizei, die einen Streifenwagen vorbei schickte. „Wir wollten uns ein Bild von der Lage machen, um festzustellen, wie massiv die Belästigung ist. Klingeln und fragen ist nicht verboten. Ich kenne noch schlimmere Fälle“, sagte Polizeisprecher Reinhard Giesa. (bal)

Quelle: HNA

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