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Olaf Schmidt: Ein Potsdamer wird zum Schwälmer

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Ein Leben für den Rock’n’Roll: Olaf Schmidt wohnt seit 25 Jahren in Nordhessen, kurz vor dem Fall der Mauer konnte er aus der DDR ausreisen – er wollte einfach frei leben können.

Schwalmstadt. Sie ist ein Inbegriff des westlich-amerikanischen Freiheitsgefühls: eine Harley Davidson. Seit 2002 nennt Olaf Schmidt solch ein Kultmotorrad sein Eigen. Der 50-Jährige ist in Potsdam geboren, in Eisenach aufgewachsen und lebt nun in Schwalmstadt.

Ein Jahr vor dem Fall der Berliner Mauer konnte der Rock’n’Roll-Fan aus der DDR ausreisen.

Mit zwölf Jahren begann Olaf Schmidt die Musik seines Vaters zu hören, Legenden des Rock’n’Roll: Elvis, Wanda Jackson und Buddy Holly. „Die Musik steckt einem im Blut“, sagte der 50-Jährige über seine Leidenschaft. Doch in der DDR war diese Musik untersagt, was Olaf Schmidt nicht daran hinderte, die Platten weiter zu hören.

Als junger Mann gab er einen Großteil seines Geldes für seine Passion aus. „Ich bin einmal sogar bis nach Berlin gefahren und habe mir eine Platte für 200 Ostmark gekauft – das war ein Vermögen“, erzählte Schmidt. Sammlerstücke gab es damals nur unter dem Ladentisch. Die amerikanischen Sänger hatten es ihm angetan, doch auch dem Ostrock konnte er etwas abgewinnen: Olaf Schmidt ist bis heute ein Fan der Puhdys, der Kultband aus der DDR. Ein Motorrad durfte auch für einen Rock’n’Roller in der DDR nicht fehlen, allerdings fuhr er damals Jawa, ein tschechische Marke.

Schallplatten aus Österreich

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Mit einer Gruppe anderer junger DDR-Rebellen auf zwei Rädern reiste er nach Ungarn, unterwegs wurden in Österreich Schallplatten besorgt und über die Grenze geschmuggelt. Ihm wurden daraufhin das Reisen untersagt. Der Drang nach Freiheit wurde immer größer. Schmidt stellte einen Ausreiseantrag. Was kam, war der Einberufungsbefehl der Nationalen Volksarmee.

Nach der Dienstzeit flatterte der ersehnte Brief ins Haus. Innerhalb von 24 Stunden hatte Olaf Schmidt mit seiner schwangeren Freundin die DDR zu verlassen: „Klamotten packen und los, ein geiles Gefühl“, sagte er. Die erste Station im Westen war damals ein Notaufnahmelager in Gießen. Fuß gefasst hatte das junge Paar aus Eisenach zunächst in Kassel. Heute wohnt er mit seiner Lebensgefährtin in Schwalmstadt. „Ich baue nun heißen Öfen“, scherzte Schmidt. Er installiert Saunen in Privathäuser, ist in ganz Deutschland und den Nachbarländern unterwegs. Reisen, was zu DDR-Zeiten nie ging, hat er nun zur Genüge.

In der Schwalm gefällt ihm besonders die Landschaft. Doch: „Meine Heimat ist Eisenach.“ Hätte er gewusst, dass die Wiedervereinigung kommt, wäre er geblieben, sagt Schmidt heute. Doch Anfang der 1990er-Jahren waren die beruflichen Aussichten in Thüringen zu schlecht für eine Rückkehr. Mittlerweile hat er sich sehr gut eingelebt. „Allerdings freue ich mich immer, wenn ich Leute aus der Heimat treffe“, erzählte er.

Von Claudia Schittelkopp

Quelle: HNA

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