Sicherheitsvorgaben erwiesen sich als Hindernis 

Poststelle war für Melsunger Rollstuhlfahrer  unerreichbar 

Melsungen. Rollstuhlfahrer musste draußen bleiben: Der querschnittsgelähmte Melsunger Robert Weck (69) ärgert sich über den Kundenservice an der Poststelle Rotenburger Straße. Dabei wollte er nur eine simple Dienstleistung nutzen, die persönliches Erscheinen erfordert.

Robert Weck (69) wollte  das so genannte Postident-Verfahren nutzen, eine Methode der sicheren persönlichen Identifikation von Kunden durch die Mitarbeiter der Deutschen Post AG.

Weck liebt seine Unabhängigkeit und steuerte daher Ende Dezember zuerst die barrierefreie Filiale im Getränkemarkt Korell an. "Ich will ja selbstbestimmt leben und meinen Tagesablauf allein auf die Reihe kriegen", sagte der ehrenamtliche Beauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderung. An der Poststelle kam die ernüchternde Erkenntnis: Postident ist leider nicht möglich.

Daher fuhr der Melsunger weiter zur Elektro-Ritschel-Filiale, deren Poststelle das komplette Postsortiment anbietet. Allerdings trennen drei Stufen die Kundschaft vom Postschalter. Eine Klingel soll Abhilfe schaffen: Gehbehinderte Kunden können läuten. Dann verlässt eine Mitarbeiterin den Laden und hilft der Kundschaft weiter. Jedenfalls in der Theorie.

Der 69-Jährige bat seine mitgekommene Frau Roswitha, in der Filiale Bescheid zu geben. Sie selbst kann ihn nicht die Treppe hinauf ziehen. "Ich wäre nicht hineingegangen, wenn es voll gewesen wäre, aber an der Poststelle stand sonst niemand. Da konnte die Mitarbeiterin ja problemlos rauskommen."

Bitte Klingeln: Robert Weck kann die Stufen zur Postfiliale nicht hinaufsteigen. Für Menschen mit Behinderung gibt es eine Klingel, mit der man um Hilfe durch einen Mitarbeiter rufen kann.

Postident erfordert eine persönliche Identifikation des Kunden. Doch die Angestellte wollte ihren Laden nicht verlassen. Laut Weck mit der Begründung, dass sie allein im Geschäft sei und die Post in der Zwischenzeit überfallen werden könnte.

Thomas Kutsch, Pressesprecher der Deutschen Post, bestätigt die Aussage: "Da unser Geschäftspartner in der Rotenburger Straße seit Oktober 2013 auch eine Postbank hat, dürfen Mitarbeiter den Laden aus Sicherheitsgründen tatsächlich nur dann verlassen, wenn einer in der Poststelle bleiben kann."

Robert Weck sieht die Post als Dienstleister, der auch auf seine behinderten Kunden eingehen müsse: "Ich war selbst mal Fußgänger; ich weiß, dass man sich da nicht so viele Gedanken über Barrierefreiheit macht. Aber wenn ich auf etwas hingewiesen werde und mir den Missstand bewusst mache, dann reagiere ich entsprechend."

Die Post zeigt sich uneinsichtig. Bauliche Veränderungen oblägen den Gebäudeinhabern; es gebe ja die Klingellösung. "Bei Herrn Weck sind offenbar unglückliche Umstände aufeinander getroffen. Dass beim Klingeln der Laden nicht verlassen wird, ist zum ersten Mal in Melsungen passiert", rechtfertigt Kutsch. Behinderte dürften keinesfalls von Postdienstleistungen ausgeschlossen werden."

Aber es kann zu Abweichungen kommen: "Wäre es ein Paket gewesen, hätte man einem Passanten um Hilfe bei der Übergabe bitten können. Bei Postident ist eine Gegenüberstellung nötig. Aber so oft kommt das Verfahren ja nicht vor", sagt der Postsprecher.

Weck sieht die Rechte Behinderter bei der Nutzung von Postdienstleistungen beschnitten: "Wenn Postident angeboten wird, muss es für jedermann nutzbar sein.

Von Jasmin Paul

Quelle: HNA

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