Präventionsprojekt gegen Mobbing: Thomas Hof spielt mit Schülern Theater

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Theater gegen Mobbing: In einem Präventionsprojekt hat sich Schauspieler Thomas Hof mit Janina Heinemann, Sarah Lehmann, Anne Wöllenstein, Julia Lehmann und ihren Mitschülern der Klasse 6b der Christine-Brückner-Schule in Bad Emstal mit dem Thema Mobbing beschäftigt. 

Bad Emstal. Er ist der Neue. Jürgen Rickert heißt er. Er wirkt nervös, hat eine Mütze auf dem Kopf, Kopfhörer um den Hals und ist wesentlich älter als die Schüler der Klasse 6b der Christine-Brückner-Schule in Bad Emstal. Gerade hat Jürgen wieder die Schule gewechselt.

In seinen vorigen Klassen wurde er gemobbt – so richtig fertiggemacht. Aufmerksam hören die Sechstklässler zu, was Jürgen aus seiner Zeit als Mobbing-Opfer zu erzählen hat. Er hat sogar schon eine Weltreise gemacht. Aber nur mit dem Finger auf der Landkarte, weil er in seiner vorigen Schule einmal für 18 Stunden in den Kartenraum eingesperrt wurde.

Kurzclip

Jürgen Rickert heißt eigentlich Thomas Hof, ist Schauspieler und wohnt in Merxhausen. Seit drei Jahren arbeitet er mit Jugendlichen zusammen. In einem Präventionsprojekt hat er sich mit den Schülern einen Vormittag lang mit dem Thema Mobbing beschäftigt. Er hat das Theaterstück „Erste Stunde“ von Jörg Menke-Peizmeyer selbst umgesetzt. Er will die Schüler in Kooperation mit Chris Böhm, Schulsozialarbeiterin der Christine-Brückner-Schule, und Klaus Ferrari von der Jugendpflege Bad Emstal für das Thema sensibilisieren. „Es ist eine andere Möglichkeit, um in das Thema einzusteigen. Äußerlich ist es Theater, das aber nach innen ins Bewusstsein geht“, sagt Chris Böhm.

Bisher war Thomas Hof alias Jürgen immer der Loser. Doch diesmal dreht er den Spieß um: Er provoziert die Schüler. In einem Wechselbad der Gefühle zwischen Aggression und Angst versucht er in die Klassendynamik einzugreifen und die Strukturen des Mobbings aufzuzeigen. Mit seinem Theaterstück will er die Schüler direkt ansprechen. „Die Jugendlichen werden dadurch auch emotional miteinbezogen. Sie fühlen, wie es ist, beschimpft und ausgegrenzt zu werden“, sagt Thomas Hof. Dass das kein schönes Gefühl ist, hat auch Laura Bock aus der Klasse 6b gelernt: „Ich habe viel gelernt. Und weiß jetzt auch, dass man jemanden schon mit komischen Namen beleidigen kann.“ Auch Schüler Wesley Viereck war erstaunt: „Mobbing kann alles verändern.“

Schuhe mit Klettverschluss

Mobbing wirke manchmal wie ein Sog, der aus einer Gruppendynamik entsteht, erklärt Thomas Hof. Jeder könne ein Opfer sein. „Weil jemand etwas kann, wofür ihn andere beneiden. Oder einfach nur, weil er Schuhe mit Klettverschluss trägt. „Jeder ist etwas Besonderes. Wenn man will, findet man immer was“, erklärt der 28-jährige Schauspieler den Schülern.

In einem Gespräch und in unterschiedlichen Übungssituationen hat er mit den Jugendlichen sowie den Projektinitiatioren über das gesprochen, was die Schüler nach dem Theaterstück bewegt. Reflexion sei hierbei ganz wichtig.

Thomas Hof ist als Jürgen Rickert auch an anderen Schulen im Landkreis Kassel, im Schwalm-Eder-Kreis und im Kreis Waldeck-Frankenberg unterwegs. Denn: „ Mobbing ist immer ein Thema. Es gibt wohl keine Gruppen, in denen es das nicht gibt. Dass jemand einmal mit einem anderen Blickwinkel von außen an das Thema herangeht, ist sicherlich hilfreich“, sagt Wolfgang Schlegelmilch, Klassenlehrer der Klasse 6b.

www.hofthomas.de

Quelle: HNA

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