Gemeinde will Förderprogramm neu auflegen

Praxis sucht Hausarzt - Stelle in Körle wird 2016 frei

Körle. Der Ärztemangel in ländlichen Regionen könnte in den kommenden Jahren auch Körle treffen. Dem will die Gemeinde vorbeugen – das haben die Gemeindevertreter in ihrer Sitzung am Montagabend einstimmig beschlossen.

Derzeit gibt es in Körle eine Gemeinschaftspraxis für Allgemeinmedizin, betrieben von den Ärzten Dr. Diedrich Senske und Dirk Schaumburg. Senske will mit 65 Jahren in Ruhestand gehen – das wäre im Jahr 2016. Sein Kollege Schaumburg ist 42 Jahre alt und möchte die Praxis weiterführen, aber nicht allein. „Ich kann nicht allein die Arbeit machen, die jetzt zwei Ärzte leisten“, sagt er. Doch einen Nachfolger zu finden, sei schwierig, sagt Diedrich Senske: „Körle ist ja nicht die einzige Kommune, die Hausärzte sucht.“

Senske und Schaumburg überlegen, einen Assistenzarzt anzustellen, der in der Praxis seine Facharzt-Ausbildung zum Allgemeinmediziner machen könnte. „Die Ausbildung ist eine Möglichkeit, jemanden für die Arbeit in unserer Praxis zu begeistern“, erklärt Schaumburg.

Finanzieller Anreiz

Allerdings sei die Beschäftigung eines Assistenzarztes zugleich eine hohe wirtschaftliche und zeitliche Belastung für die Praxis. Denn obwohl ein Kollege dazukommt, der auch ein Gehalt erhält, dürfen nicht mehr Patienten behandelt werden als bisher. Die Ausgaben steigen also, aber die Einnahmen bleiben gleich. Genau hier will die Gemeinde ansetzen – mit dem Programm zur Förderung zusätzlicher Ausbildungsplätze, das Ende 2008 außer Kraft gesetzt wurde. Dieses Programm wurde 1997 ins Leben gerufen. Die Gemeinde unterstützte Unternehmen finanziell, die zusätzliche Ausbildungsplätze für Jugendliche aus Körle schufen.

Nun könnte dieses Programm in abgewandelter Form wiederbelebt werden, um die Ausbildung von Ärzten zu fördern. Wie die Unterstützung der Gemeinde konkret aussehen könnte, sei noch offen, sagt Bürgermeister Mario Gerhold: „Erstmal müssen wir klären, welcher finanzielle Aufwand der Praxis durch die Schaffung einer solchen Assistenzarztstelle entsteht.“

 Ob das Engagement der Gemeinde tatsächlich Wirkung zeigt, halten die beiden Allgemeinmediziner jedoch für fraglich. „Es ist gut, dass sich die Gemeinde für ärztlichen Nachwuchs interessiert“, meint Diedrich Senske. Allerdings sei ein sehr hoher finanzieller Anreiz nötig, um einen Arzt nach Körle zu locken. „Das übersteigt die Möglichkeiten einer kleinen Gemeinde“, sagt Senske. Ein Assistenzarzt sei eben kein Lehrling mehr, erklärt Dirk Schaumburg, „der hat schon ein gewisses Einkommen.“

Es gebe nur noch wenige junge Mediziner, die sich für den Beruf des Hausarztes entscheiden. „Und um diese wenigen prügeln sich alle“, sagt Schaumburg. An diesem grundsätzlichen Problem könne die Gemeinde wenig ändern.

Quelle: HNA

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