Prediger erzählt von seiner Parkison-Krankheit

Im Gespräch: Der an Parkinson erkrankte Jürgen Mette spricht über Krankheit, Glauben und Hoffnung. Foto: Dreisbach

Balhorn. Die Krankheitsgeschichte von Jürgen Mette begann in Balhorn. Und nach Balhorn hatte es ihn verschlagen an einem trüben Novemberabend. Die beiden Balhorner Kirchengemeinden hatten zu einem ökumenischen Abend eingeladen.

Und die Kirche der SELK war voll besetzt an diesem Abend. Viele kennen Jürgen Mette noch von früher. Jetzt geht er in Fernsehsendungen wie „Kölner Treff“ oder „Peter Hahne“ ein und aus und berichtet über seinen Umgang mit der Parkinson-Krankheit.

Aber er erinnert sich an seine Wurzeln. Er erinnert sich an Balhorn, wo alles begann, mit seinem Glauben und mit seiner Krankheit. Bewegt schildert er, wie in den 1950er Jahren im Elternhaus ein an Parkinson erkrankter Pastor zu Besuch war. Damals hat er zu Gott gebetet: „Mach, dass ich nie so eine Zitterkrankheit bekomme.“ Irgendwo zwischen Balhorn und dem Himmel muss das Gebet verloren gegangen sein, meint er.

Heraus aus der Krise

Und dann schildert er, wie er eines Tages wahrnehmen muss, dass er diese Krankheit hat und wie ihn diese Krankheit in eine tiefe Depression stürzt. Mit seiner „wunderbaren Frau“ hat er es geschafft, aus der Krise herauszukommen. Es ist bewundernswert, wie er diese Krankheit annehmen kann. Es ist ganz still in der Kirche, als er den Krankheitsverlauf schildert. Das war für ihn ein Ernstfall des Glaubens. Wenn der nicht durch die Krise hindurch trägt, dann will er, der leidenschaftliche Prediger, keine Kanzel mehr betreten. Das nimmt man ihm ab. Und dann berichtet er, dass er auf der Frankfurter Buchmesse Samuel Koch, den bei „Wetten dass“ so schwer verletzten jungen Mann, getroffen hat. Wie der mit seiner Krankheit umgeht, das hat auch Jürgen Mette schwer beeindruckt.

Wer Jürgen Mette an dem Abend erlebt, der spürt ganz schnell: Hier ist ein Mann sehr authentisch. Hier hat einer in seiner Krankheit einen großen Schuss Humor und ist in seinem Glauben fest verankert. Er war in seiner Krankheit bisher nicht einen Tag verzweifelt. Und das hängt damit zusammen, dass er sich getragen weiß von einem großen Kreis von Betern. Und eines wird an diesem Abend in Balhorn auch deutlich: In der Mitte seines Lebens hat „Herr P.“, wie er seine Krankheit nennt, nichts zu suchen. Er verweist ihn an die Peripherie seines Lebens.

Tiefe Herzlichkeit

Am Ende spürt man Jürgen Mette, dass ihn der Abend angestrengt hat. Das hat auch mit Emotionen zu tun. Aber auch in solch einer Situation nimmt er sich noch Zeit, sein Buch mit dem treffenden Titel „Alles außer Parkinson“ zu signieren. Die Begegnungen, die sich dann daraus ergeben, waren von tiefer Herzlichkeit geprägt.

Zur Person

Jürgen Mette, am 29. Februar 1952 geboren, ist in Balhorn aufgewachsen. Im elterlichen Betrieb hat er das Zimmererhandwerk erlernt. In seiner Jugend zieht es ihn zum Jugendbund für Entschiedenes Christentum in Martinhagen. Seine geistliche Heimat wird danach das Brüderhaus Tabor in Marburg. Hier erfährt er seine theologische Ausbildung, wird Jugendpastor und später theologischer Lehrer am Brüderhaus. In diesem Jahr hat er die Geschäftsführung der „Stiftung Marburger Medien“ aufgegeben. Heute predigt er und hält Lesungen - in diesem Jahr noch an weiteren 20 Abenden. (gü)

Von Günther Dreisbach

Quelle: HNA

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