Preisgekrönte Sanierung: Im Haus wartet eine entschleunigte Welt

Nach der Sanierung: Die Fassade orientiert sich am historischen Vorbild. Die Betonmauer wurde durch eine aus Naturstein ersetzt, die Zaunelemente sind aus aufgerissenen Kastanienstangen. Der Hauseingang wurde auf die Rückseite verlegt.

Wolfhagen. Verlassen und heruntergekommen, so kauften Rolf und Martina Klapp ein Fachwerkhaus an der Schützeberger Straße in Wolfhagen und sanierten es aufwändig. Der Landkreis belohnte die Leistung mit dem Denkmalpreis 2015.

„Es ist wie eine Zeitreise, wenn man in dieses Haus geht“, sagt Martina Klapp. Aus der hektischen, digitalen Gegenwart führt der Weg in vergangene, entschleunigte Welt. Die Zeit scheint stehen geblieben zu sein im sanierten Fachwerkhaus der Klapps an der Schützeberger Straße in Wolfhagen.

Über Steinplatten aus Travertin geht es durch die Diele in den Wohnbereich, wo altes aufgearbeitetes Mobiliar auf geölten Eichendielen steht. Die Wände sind mit Lehm verputzt und weiß gestrichen, Tapeten gibt es im Haus keine, ganz so, wie zur Entstehungszeit des Gebäudes. Dafür aber viel Sandstein, beispielsweise auf dem Weg ins untere Geschoss. Hier befindet sich ein direkter Zugang in den Garten zur Schützeberger Straße und auch einer zum Gewölbekeller.

Es war ein weiter Weg für Martina und Rolf Klapp vom Kauf bis zum Abschluss der Sanierungsarbeiten. 2011, erinnert sich der 58-jährige Kaufmann, entdeckte man das Verkaufsschild vor dem heruntergekommenen, mit Eternit verblendeten Gebäude. „Die Lage hat uns fasziniert“, sagt der Ippinghäuser: Altstadt und doch mit Garten, leicht von der Straße zurückgezogen und mit einem ganz eigenen Charme ausgestattet.

Handwerker aus der Region

Zehn Jahre lang war das Haus zuvor unbewohnt, und das sollte es noch weitere Jahre bleiben. Mit vielen Ideen und voller Elan machten sich die Klapps ans Werk. Einen Architekten hatte das Ehepaar nicht zur Unterstützung engagiert, dafür aber „kompetente Handwerker aus der Region, alles Leute, die so eine Sanierung schon mal gemacht hatten“, erinnert sich Klapp.

Deren Erfahrung und handwerkliches Können waren dann auch dringend gefragt, denn eigentlich war an dem Haus nicht mehr viel zu gebrauchen. „Die Elektrik war Schrott, die Wasserleitungen kaputtgefroren, die Fenster hinüber“, sagt der Bauherr. Alles musste raus, auch die Decken und Wände.

Das Haus an der Schützeberger Straße vor der Sanierung.

Rolf Klapp: „Wir haben 160 Kubikmeter Schutt weggefahren.“ Am Ende stand nur noch ein nacktes, mit vielen zusätzlichen Stützen gesichertes Fachwerkkonstrukt. „Man konnte vom Keller bis in den Himmel sehen“, beschreibt Martina Klapp die Situation. „Man vergisst im Laufe der Zeit, wie fürchterlich es war“, sagt die 54-Jährige zurückblickend.

Dann begann die Aufbauphase. Die überlieferte Ständerkonstruktion wurde beibehalten, morsches Holz ersetzt.. Gefache wurden ausgemauert, die alten Lehmziegel dabei wiederverwendet. Nicht alle Wände wurden wieder komplett hochgezogen, so entstand eine offenere, luftigere Raumgestaltung.

Die Klapps setzten auf alte Optik und aktuelle Technik: So wurde eine Wandheizung installiert. Das Haus ist von innen gedämmt. Den einzigen Stilbruch leisteten sich die Klapps in der Küche: Sie ist auch von der Gestaltung modern.

Teure Details

Rund 4000 Stunden hat das Ehepaar in die Sanierung ihres Fachwerkhauses und des Außenbereichs zusätzlich zu den Leistungen der Handwerker gesteckt. Und eine Menge Geld. Wie viel, das wollen die Klapps nicht verraten. Rolf Klapp lachend: „Zuviel.“ Letztlich, sagt er, „haben es die Details so teuer gemacht“. Wie beispielsweise die 15 Fenster, alles Sonderanfertigungen aus Holz. Durchschnittspreis 1500 Euro pro Stück.

Ersatzteile bei Ebay

Gut zwei Jahre dauerte die Sanierung des Fachwerkhauses, das laut Rolf Klapp vermutlich im 16. Jahrhundert erbaut wurde. Der Gewölbekeller stamme aus dem 13. Jahrhundert und reicht bis unter das Nachbarhaus.

Um möglichst an alte, auch optisch gut passende Ersatzteile zu kommen, recherchierten die Klapps im Internet. Bei Ebay wurden sie fündig. In Aschaffenburg ersteigerten sie eine Fuhre alter Eichenbalken, in Halle einen ganzen Sattelzug alter Sandsteine, die von einer abgerissenen Zuckerfabrik stammten. Die Sandsteinsäulen am Eingang zum Garten stammen aus dem Schwarzwald. Der Aufwand habe sich gelohnt, ist Rolf Klapp überzeugt, die alten Materialien fügten sich optimal ein, sähen „authentisch“ aus. Das habe wesentlich dazu beigetragen, das „die Seele des alten Hauses“ erhalten blieb.

Die Klapps bewohnen weiter ihr Eigenheim in Ippinghausen. Das mit dem Denkmalpreis 2015 des Landkreises Kassel ausgezeichnete Kleinod wollen sie als Ferienhaus vermieten.

Quelle: HNA

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