Firma existierte nicht

Produkttester wurde selbst abgezockt

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Oberurff. Tütensuppen, Schokolade, Kaffee und Küchenmaschinen testen, bewerten und dann behalten. Und dafür Geld bekommen. Dieses Angebot einer Anzeige klang für Helmut Sommerfeld aus Oberurff verlockend und deshalb bewarb er sich als Produkttester. 

Mittlerweile ist er um 40 Euro ärmer und wartet seit einem Jahr vergeblich auf Produkte, die er testen soll. „Ich wollte nebenbei etwas Geld verdienen“, sagt Sommerfeld. Er ist überzeugt, dass er nicht der Einzige ist, der der Produkttester-Abzocke auf den Leim gegangen ist.

Schutzgebühr gezahlt

Sommerfeld rief die Telefonnummer mit Korbacher Vorwahl an, die in der Anzeige stand. „Eine Frau nahm ab, sie klang vertrauenswürdig“, erinnert er sich an den ersten Kontakt vom Januar 2013. „Sie sagte, ich könne gut verdienen.“ Sommerfeld rechnete mit bis zu 400 Euro zusätzlichen pro Monat. Er verabredete sich mit der Frau, um einen Vertrag mit der Firma zu unterschreiben, für die die Frau angab zu arbeiten. Mittlerweile weiß Sommerfeld, dass es diese Firma nicht gibt. „Ich sollte eine Schutzgebühr von 40 Euro zahlen und würde dann nach etwa drei Monaten die ersten Produkte erhalten“, sagt Sommerfeld. Er zahlte. „Das Geld habe ich auf das Konto der Dame überwiesen.“ Er habe ihr einfach vertraut, sagt er und schüttelt den Kopf. Sie habe seriös und vertrauenswürdig gewirkt.

Verlockendes Angebot

Besonders verlockend: Er könne alle Produkte - egal ob Lebensmittel oder Küchenmaschinen - nach Test-Ende behalten, versprach die Frau. Das klang verlockend.

Immer wieder fragte er in den nächsten Monaten bei der Korbacherin nach, wann endlich die ersten Produkte bei ihm einträfen. Immer wieder ließ er sich vertrösten. „Sie war immer nett und sagte, dass sie auf die Versendung der Produkte keinen Einfluss habe.“ Sommerfeld glaubte der Frau. „Heute weiß ich, dass ich zu lange zu gutgläubig war.“

„Ich habe nur draufgelegt.“

Seine Anrufe nimmt die Korbacherin längst nicht mehr entgegen. „Ich habe nur drauf gelegt und nichts dazu verdient“, sagt er. Hoffnung, dass nun doch noch Tütensuppen, Schokolade und Co. bei ihm ankommen, hat er nicht mehr. Sein Geld sei zudem weg. Jetzt will er andere Menschen vor dieser Masche warnen: „Ich möchte einen Aufruf starten und andere Opfer bitten, sich zu melden.“ Gemeinsam könne man den Betrügern sicher das Handwerk legen, hofft er.

Sommerfeld will noch immer etwas zu seinem Hausmeister-Job dazu verdienen. Auf Kleinanzeigen in Zeitungen würde er auch wieder reagieren, sagt er. Aber er wäre vorsichtiger und würde kein Geld mehr im Voraus bezahlen, sagt er.

Das sagen Polizei und Verbraucherberatung

Bislang liegen bei den Polizeidirektionen Schwalm-Eder und Waldeck-Frankenberg noch keine Anzeigen gegen die Frau aus Korbach und auch nicht gegen die in Korbach ansässige Firma der Frau vor. Doch bedeute das nicht, dass ihr keine weiteren Menschen auf den Leim gegangen seien, sagt Dirk Virnich von der Polizeidirektion Waldeck-Frankenberg. Helmut Sommerfeld aus Oberurff will jetzt jedenfalls Anzeige erstatten.

Reinhard Giesa von der Polizeidirektion Schwalm-Eder warnt davor, Jobangebote anzunehmen, für die man im Vorfeld Geld zahlen soll. „Das ist ein deutliches Warnsignal“, sagt Giesa. Abstand sollte man auch von allen Angeboten nehmen, die zu schön seien, um wahr zu sein.“ Man bekomme grundsätzlich nichts geschenkt, sagt Giesa.

Auch Verbraucherschützer warnen davor, dass immer mehr unseriöse Anbieter versuchen, über dubiose Kleinanzeigen - beispielsweise im Stellenmarkt von Tageszeitungen - ihre Maschen umzusetzen.

Die Jobs wirkten zunächst attraktiv. Gegen Honorar sollen Interessenten Produkte testen und dürfen sie danach sogar behalten, zumindest lassen sie das ihre Opfer glauben.

Der Haken: Mitmachen dürfe nur, wer zuvor zahlt. Generell raten Verbraucherschützer von Nebenjobs ab, bei denen Bewerber in Vorkasse treten sollen. Die Gefahr bestehe, dass sie zunächst investieren, dann aber nie einen Auftrag bekommen.

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

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