Prof. Gerd Theißen war zu Gast in der Schwalm

Prof. Dr. Gerd Theißen

Schwalmstadt. Der renommierte Neutestamentler aus Heidelberg geht mit seinem Buch „Glaubenssätze - ein kritischer Katechismus" einen eigenen Weg: Prof. Gerd Theißen bezeichnet es „als Versuch, den christlichen Glauben in meditativen Texten zusammenzufassen". Der Experte war zu Gast in Niedergrenzebach.

Er bezeichnet sich selbst als liberalen Protestanten: Prof. Dr. Gerd Theißen. In seiner Glaubenslehre will der 70-Jährige dazu anregen, über Grund- und Grenzfragen des Lebens nachzudenken. Die in Sinnzeilen gegliederten Texte erinnern an Gedichte. „Sie stehen für einen Protestantismus, der die moderne Welt als Herausforderung begreift, den christlichen Glauben immer wieder neu zu formulieren.“ Dennoch knüpfe seine Glaubenslehre an die Tradition an. Wenngleich sie „keine Kampfansage“ an andere Konfessionen sei. „Das Buch wirbt um Verstehen und Respekt für den Glauben auch dort, wo er keine Zustimmung erfährt.“ Dabei nennt der Wissenschaftler die Irritationen beim Namen: Er belässt es bei der Frageform, gibt aber seinen Antworten einen meditativen Charakter und vermittelt Denkanstöße zu Themen wie dem Töten, dem Sterben, der Homosexualität. Liberal und lebenspraktisch - das sollen Theißens Anregungen sein.

Zur Ziegenhainer Zuchtordnung hat der Experte eine Meinung: „Die Sache ist schöner als der Name verrät.“ Die Zuchtordnung habe schlicht die Rolle der Kirchenältesten betont und versucht, Jugendliche zu stützen. Auch habe die Ordnung eine friedensstiftende Funktion gehabt. „Es sind nicht wie in anderen Ländern Täufer getötet worden“, erläutert Theißen.

Außerdem wurden in der Region Schulen initiiert: „Um die Kinder christlich zu erziehen.“ Dennoch vermittele er in seinen Texten keine „Luther-Romantik“. „Ich möchte, dass man intensiv darüber diskutiert, wie man leben will, den öffentlichen Diskurs“, sagt Theißen.

Dazu gehöre der Blick auf andere Religionen wie den Buddhismus, das Judentum und den Islam. (zsr)

Quelle: HNA

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