Erziehungswissenschaftler sprach in Ziegenhain über unterschiedliches Lernverhalten

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Erziehungswissenschaftler sprach in Ziegenhain über unterschiedliches Lernverhalten

Schwalmstadt. Jungs lernen anders als Mädchen: Besonders in Zeiten des multimedialen Kinderzimmers. Das hat der Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Struck bei seinem Besuch in der Schwalm gesagt. Und er folgert daraus: "Andere Hirnvernetzungen erfordern andere Schulen."

Seine Botschaft brachte Struck in die Schwalm mit, wo er in Ziegenhain sprach, Thema: Lernen zwischen digitaler Kinderwelt und analogem Schulalltag - was uns Hirnforscher über Erziehung und Bildung sagen.

Eingeladen worden war er vom Evangelischen Forum Schwalm-Eder in Kooperation mit der Carl-Bantzer-Schule und der Melanchthon-Schule. Fest stehe, erläuterte Struck, dass Kinder heute nicht mehr gut zuhören könnten: "Die Wahrnehmungsschwelle ist durch die vielen Computerspiele eine andere." In Naturwissenschaften lernten Schüler heute mehr als früher, wohl aber seien emotionale Defizite durch eine Überdosierung der Reize zu beobachten. Jungen lernten überwiegend durch Ausprobieren, während Mädchen auch übers Zuhören lernen könnten.

Bundesweit stünden im Moment die Noten in der Diskussion: "Wenn man Siebenjährigen bereits Noten gibt, lernen sie, ausschließlich für Noten zu lernen. Sie lernen nicht mehr für sich, nicht mehr für die Sache und schon gar nicht mehr für ihre Zukunft", erläutert Struck. 14-Jährigen könne man hingegen Noten geben: "Das hat etwas mit Pubertät zu tun, aber auch damit, dass sie längst wissen, wie der Hase in der Schule läuft." Besonders viel lernten Kinder in Partnerarbeit. "Schüler lernen von anderen Schülern etwa doppelt so viel wie von Lehrern."

Erfolgreiches schulisches Lernen brauche rhythmisierte Ganztagsschulen und jahrgangsübergreifende Lernfamilien: "Lernen braucht einen Wechsel von Anspannung und Entspannung. Erfolgreiche Schulen haben daher keine 45-Minuten-Takte mehr, sondern setzen die Erkenntnisse der Hirnforschung um, mit denen Einzelheiten wie Vokabeln oder Geschichtszahlen am besten in Zehn-Minuten-Einheiten gelernt werden, vernetzte naturwissenschaftliche Zusammenhänge aber in dreistündigen Portionen", verdeutlicht der Wissenschaftler. Wenn Schüler eine Stunde Mathe hatten, sollten sie sich also danach 20 Minuten bewegen, sehr empfehlenswert seien auch Theater- und Rollenspiele sowie Musik. Am meisten lernten Kinder übrigens im Alter ab fünf Jahren.

Nötig sei eine andere Lehrerbildung sowie eine stärkere Einbeziehung der Eltern: "Wir sagen heute, deutsche Schulen vertrauen zu sehr auf Wissen, dabei ist das Können viel wichtiger." Die Qualifikationen, die Schulabsolventen mitbrächten, reichten vielen Firmen nicht mehr aus. Die wichtigste Botschaft für Eltern sei, dass sie ihren Kindern Werte wie Auswahl, Dosierung und ein stimmiges Weltbild vermittelten. (zsr)

Quelle: HNA

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