Prominenz im Sägewerk Neukirchen: Sepultura aus Brasilien spielten auf

Neukirchen. Von der brasilianischen Metalband Sepultura sagt man, dass sie zu ihren besten Zeiten am Thron von Slayer gesägt hätten. Gelungen ist das letztendlich nicht, und die Biografien beider Bands gingen auseinander.

Die Trashmetal-Dinosaurier von Slayer spielten jüngst gemeinsam mit Metallica, Anthrax und Megadeth ein monströses Konzert in der Arena Auf Schalke.

Dabei kamen sie ihrem Publikum körperlich so nahe wie einst Michael Jackson seinen Fans - nämlich garnicht. Bei Sepultura hingegen konnte Sänger Derrick Leon Green die erste Reihe am Dienstagabend persönlich abklatschen - so geschehen beim Auftritt im rappelvollen Sägewerk in Neukirchen. Dass die Brasilianer, die Anfang der 90er-Jahre mit den Alben „Arise“ und „Chaos A.D.“ weltweit Erfolge feierten, in der Schwalm ein Gastspiel gaben, war einer Lücke im Tourkalender zu verdanken.

Freunde des Death- und Trashmetal aus dem Schwalm-Eder- und Vogelsbergkreis, aus dem Hochsauerland, Fulda und Kassel nutzten die seltene Gelegenheit, mit den prominenten Gästen heftig zu feiern.

Zwar dauerte das Gastspiel der Band aus Belo Horizonte, die bereits seit 1984 auf der Bühne steht, gerade mal etwas mehr als eine Stunde und endete schon kurz vor Mitternacht. Aber die Gäste zum Feiern, Tanzen und begeisterten Köpfeschütteln zu bringen, das gelang dem Quartett innerhalb kürzester Zeit. Als Babysitter mag man sich den Frontmann Green nur bedingt vorstellen, als Anheizer und charismatischer Sänger mit brüllend-gröhlender Stimme war er hingegen fabelhaft.

Zugleich trieben die Männer am Bass und Schlagzeug bei tropischen Temperaturen die Songs von Sepultura voran, vor allem Andreas Kisser an der E-Gitarre griff energisch in die Saiten.

Sepultura aus Brasilien im Sägewerk Neukirchen

Sepulturas Musik ist klar strukturiert, präzise und um einiges vielfältiger als simpler Deathmetal. Hardcore-Anleihen sind ebenso im Spiel wie Industrial. Die Brasilianer machen Druck ohne Monotonie, kraftstrotzend und machmal überraschend, wie mit einer rockigen Jam--Einlage als erster und einziger Zugabe.

Noch vor wenigen Tagen war die Band beim weltgrößten Heavy Metal-Festival im norddeutschen Wacken mit dabei. Dort feierten über 75 000 Menschen die Größen der Szene. Sepultura macht den Wechsel mit, von der Riesenbühne in die kleinen Clubs. Dass dazu diesmal auch das Sägewerk gehörte, war ein Glücksfall.

Selbst wenn Derrick Leon Green nur bedingt gewusst haben dürfte, wohin es ihn an diesem Abend verschlagen hatte, und der schwarze Tourbus längst wieder auf der Autobahn ist - die Fans in Neukirchen fand der Sänger im besten Sinn „insane“, verrückt und zugleich mit dem Herz am rechten Fleck. So dürften in dem kleinen, aber brodelnden Saal letztendlich alle zufrieden gewesen sein, auf und vor der Bühne.

Von Jürgen Köcher

Quelle: HNA

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