Flüchtlinge protestieren für bessere Unterbringung im Schwalm-Eder-Kreis

Schwalm-Eder. Eine kleine Gruppe von Flüchtlingen harrte von Montagabend bis Dienstagmorgen vor der Betreuungsstelle für Zuwanderer des Landkreises in Homberg aus.

Mit ihrem stillen Protest wollten die sechs Asylbewerber auf ihre schwierige Situation in der Gemeinschaftsunterbringung in Schwarzenborn aufmerksam machen. Dort leben derzeit 160 Menschen.

Die Dauer der Unterbringung von bis zu einem Jahr, die Menge an Menschen verschiedener Herkunft, die gemeinsam in den ehemaligen Feldwebelhäusern leben und vor allem die Abgeschiedenheit der Unterbringung, die am Waldrand nahe den Knüllteichen liegt, kritisierten die Flüchtlinge.

„Sie fühlen sich dort wie in Gefangenschaft“, sagt Silvia Scheffer, Flüchtlingberaterin des Diakonischen Werks. „Jetzt fällt es uns auf die Füße, dass wir die Leute in kleinen Orten unterbringen, wo sie festsitzen“, so Scheffer.

Die Demonstration sei eine Verzweiflungsaktion. „Es geht nicht darum, dass sie schlecht behandelt werden und nicht darum, dass die Unterkunft nicht gut ist. Es geht ihnen darum, dass sie über mehrere Monate an einem Ort festsitzen.“ Das wirke sich auf den psychischen Zustand der Flüchtlinge aus, die oft ein schweres Schicksal hinter sich hätten. Es müsse eine andere Form der Unterbringung gefunden werden, so Scheffer. Man müsse gänzlich weg von den Gemeinschaftsunterkünften, in denen Frust und Aggression programmiert seien. Wenn man zentrale Sprechstunden einrichte, dann entstehe auch kein höherer Betreuungsaufwand.

„Dem Kreis kann man keinen Vorwurf machen, ihm wurden keine anderen Unterkünfte angeboten“, so Scheffer. Eine mögliche Lösung seien Container, die in Städten und nicht im Wald aufgestellt werden. Den Demonstranten sei wichtig, gehört und respektiert zu werden. „Sie wollen damit sagen, dass es ihnen schlecht geht.“

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

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