Protest gegen Parkgebühren

Awo-Altenpflegeschüler und Berufsschüler haben Angst um Existenz

Fühlen sich durch die Einführung von Parkgebühren in Homberg abgezockt: Schüler der Reichspräsident-Friedrich-Ebert Schule und Awo-Altenpflegeschüler. Eine Abordnung der insgesamt über 1000 Schüler bezog am Freitagmorgen Stellung. Foto: Yüce

Homberg. Die Einführung von Parkgebühren in Homberg sorgt bei Awo-Altenpflegeschülern und auch bei Berufsschülern der Reichspräsident-Friedrich-Ebert Schule für Existenzängste. Man habe sie bei der Planung vergessen und übergangen, lautet ihr Vorwurf.

Einige der Awo-Schülerinnen denken sogar schon über einen Schulwechsel nach, denn an der Awo-Schule in Kassel könne man kostenlos parken. Und auch bei den Berufsschülern gebe es einige, die ihre Ausbildung abbrechen müssten, wenn sie fürs Parken Geld zahlen sollen. Einer, der auch darüber nachgedacht hat, ist Artur Sterz, Auszubildender zum Metallbauer. „Ich verdiene monatlich 350 Euro“, sagt er. Da bleibe kaum Geld übrig. „Dann ist die Ausbildung nicht mehr finanzierbar“, sagt er. Dabei wolle er doch arbeiten, fügt er nachdenklich an.

„Wir sind Schüler und verdienen nicht viel Geld“, sagt Awo-Schülerin Stefanie Spielvogel. Mit 500 Euro finanziere sie ihre Wohnung in Melsungen und ihren Lebensunterhalt. Wenn sie jetzt noch täglich sechs Euro Parkgebühren zahlen müsse, bleibe kaum mehr etwas zum Leben übrig.

Das Jahresticket für 120 Euro rechne sich auch nicht, da die Awo-Schüler nicht dauerhaft in Homberg sind. „Wir haben Blockunterricht“, sagt Schulleiterin Dorothea Pampuch, die den Protest der Schüler unterstützt. „Eine Jahreskarte für 60 Schultage, das macht keinen Sinn“, sagt sie.

Viele der knapp 900 Schüler der beruflichen Schulen und die 110 Pflegeschüler hätten zudem eine weite Anfahrt - auch die koste Geld. „Sie pendeln aus dem Schwalm-Eder-Kreis und zum Teil auch aus den angrenzenden Kreisen nach Homberg“, so Pampuch.

Das Umsteigen auf öffentliche Verkehrsmittel lohne sich finanziell und vor allem zeitlich nicht: „45 Minuten sind wir von Melsungen bis Homberg unterwegs“, sagt Spielvogel. Und Jana Tilp aus Kirchhain sagt, dass die Verbindung nach Homberg schlecht sei. Von drei Stunden Anreise mit dem Bus berichtet Maren Hainmüller. Die 24-Jährige aus Mengsberg hat ein Kind. „Das ist wertvolle Zeit. Und muss ich auch noch Parkgebühren zahlen, wird mir die Ausbildung aus finanziellen Gründen nicht mehr möglich sein.“

Für die Berufsschüler kommt ein Schulwechsel nicht infrage. „Sie müssen dort zur Schule gehen, wo der Ausbildungsbetrieb ist. Ihnen bleibt keine Wahl“, sagt Verbindungslehrer Uwe Gerloff und kann den Frust der Schüler verstehen. Er und Pampuch sprechen von handwerklichen Fehlern, die bei der Einführung der Parkgebühren gemacht worden seien. Sie betonen, dass die Schulen auch wichtig für Homberg seien und sie hoffen auf ein baldiges Gespräch mit der Stadt.

„Vielleicht ist ein Parkausweis für Schüler möglich, der muss ja nicht ganz kostenlos sein und kann auch zeitlich begrenzt sein. Aber sechs Euro am Tag, das ist einfach nicht zu schaffen“, sagt Pampuch. Man wolle eine Lösung finden, die auch für die Anwohner gut ist.

Das sagt Bürgermeister Dr. Nico Ritz

Die Stadt sei in Sachen Parkgebühren für Schüler gesprächsbereit, sagt Hombergs Bürgermeister Dr. Nico Ritz.

Gerade für Schüler, die nicht am Stück, sondern in Blöcken unterrichtet würden, werde man ein Modell entwickeln, welches die Gesamtbelastung abfedere, erklärt er auf HNA-Anfrage. „Es könnte zum Beispiel auf der Basis des Jahrestickets eines mit einer deutlich kürzeren Laufzeit geben“, sagt er. Es könnten auch Parkgebühren auf Monatsbasis erhoben werden. Aber: Auf dem Reithausplatz auf Parkgebühren zu verzichten, könne er sich derzeit nicht vorstellen, so der Bürgermeister.

Die Stadt verhandele derzeit mit dem Asklepios Krankenhauskonzern darüber, ob es möglich ist, kostenlose Parkplätze auf dem Gelände des ehemaligen Krankenhauses anzubieten. „Wir sind schon in konkreten Verhandlungen“, betonte Ritz.

Hintergrund: 14 Automaten

Anders als in vielen anderen Städten, ist in Homberg das Parken bislang kostenlos. 14 Parkautomaten sollen nun bald aufgestellt werden. Geld soll es in den folgenden Straßen kosten: Hans-Staden-Allee (mit Reithausplatz und Allebereich), Bergstraße, Marktplatz, Pfarrstraße, Holzhäuser Straße, Ziegenhainer Straße (plus Parkplätze Kreissparkasse und Stadthalle), Parkstraße (Kreisverwaltung), Wallstraße (mit Busbahnhof), Untergasse, Entengasse, Parkhaus Pulverturm und August-Vilmar-Straße.

Quelle: HNA

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