Protestaktion gegen Schließung der Geburtshilfe: Widerstand um 5 vor 12

Das Wolfhager Kino stand am Mittwochabend ganz im Zeichen des Widerstands gegen die bevorstehende Schließung der Geburtshilfe in Wolfhagen. Ein Ergebnis der Veranstaltung: Am Freitag wird man den Protest nach Kassel tragen und vor dem Verwaltungsgebäude des Klinikums für den Fortbestand demonstrieren.

Wolfhagen. Kampflos werde man die Geburtshilfe im Wolfhager nicht aufgeben, da waren sich die mehr als 100 Teilnehmer am Mittwochabend im Wolfhager Kino einig. Auch wenn es fünf vor zwölf sei, weil die Schließung am Freitag droht, werde man nicht aufgeben. Und so vereinbarten die Teilnehmer, am Freitag exakt um fünf Minuten vor zwölf Uhr ihren Protest vor das Verwaltungsgebäude des Kasseler Klinikums zu tragen.

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Widerstand sei das Gebot der Stunde, war ein Fazit nach der Podiumsdiskussion im Kino. Zuvor hatte man sich Anregungen geholt, sich einen französischen Spielfilm angesehen, der im Kern eine Blaupause der Situation an der Wolfhager Klinik ist: Die Entbindungsstation eines kleinen Krankenhauses auf dem Land soll aus Kostengründen geschlossen werden. „Die Abteilung ist der Ast, den man absägt, um den Baum zu retten“, sagt der auf Bilanzen fixierte Krankenhausmanager. Ähnliches hat man auch schon von der Spitze des Gesundheit Nordhessen Holding (GNH) gehört. Im Film formiert sich der Widerstand, und letztlich setzt sich Volkes Wille durch.

So sollte es auch im Kampf um die Wolfhager Klinik enden, sagte Volker Schäfer, der die Diskussion auf dem Podium und mit dem Publikum moderierte.

Dekan Dr. Gernot Gerlach, der mit dem Gottesdienst in der Stadtkirche die Protestaktion einleitete, sagte, es müsse unbedingt ein zielführendes Gespräch noch am Freitag stattfinden. „Wir dürfen die Geburtshilfe nicht abschalten. Es ist ganz schwierig sie danach wieder in Gang zu bringen.“ Man müsse sich mit der Klinikleitung und GNH-Chef Sontheimer zunächst auf eine Zwischenlösung einigen, auf einen „Zeitpuffer“, um weiter verhandeln zu können.

Der Dekan übte auch deutliche Kritik an der Politik. „Wir sind ein großer, starker Landkreis.“ Es sei zwar so, dass der Landkreis an der GNH nur mit 7,5 Prozent beteiligt sei - der Rest gehört der Stadt Kassel -, Landrat Uwe Schmidt würde sich aber nicht mit 7,5 Prozent „sondern mit dem ganzen Gewicht der Bevölkerung“ einsetzen. Wenn er es denn täte. Gerlach: „Er ist im Kreis unser Chefpolitiker, er soll sich für uns einsetzen!“

Noch alles offen

Bürgermeister Reinhard Schaake informierte über den aktuellen Stand. Es sei noch alles offen. Er habe am Mittwoch schriftlich bei GNH-Chef Dr. Sontheimer eine Fristverlängerung eingefordert. „Unter diesem Druck kann man keine guten Lösungen finden.“ Er warte noch auf eine Antwort. Am Donnerstag wolle er nochmal ganz massiv mit Landrat Schmidt „fordern, dass wir einen Abschluss kriegen“.

Fahrt nach Kassel

Alle, die am Freitag mit nach Kassel zum Protest am Klinikum fahren wollen, treffen sich um 10.30 Uhr an der Wolfhager Stadtkirche. Von dort will man gemeinsam, vermutlich mit Bussen, nach Kassel fahren.

Von Norbert Müller

Quelle: HNA

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