Nach Unfall und Amputation

Schwarzstorch Merlin soll ein künstliches Bein erhalten

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Der Patient ist ein Storch: Tierärztin Dr. Carmen Hufnagel, Orthopädietechniker Alf Reuter, Tierarzthelferinnen Christina Lichtenauer, Regina Rochelmeyer und Valeska Zinn (von links) schauen sich den Schwarzstorch an, dem ein Bein amputiert werden musste. Jetzt soll das Tier eine Prothese erhalten.

Beiseförth/Melsungen. Einen solchen Patienten hatte Alf Reuter auch noch nicht: Der Orthopädietechniker tüfelt an einer Prothese für Merlin, den Schwarzstorch. Das Tier war in Kehrenbach aufgefunden worden.

Sein Bein war derart verletzt, dass es amputiert werden musste. Bis jetzt entlasten noch Holzstäbe und ein Lockenwickler im Verband den Amputationsstumpf. Aber nun ist eine endgültige Lösung in Sicht: Alf Reuter, Meister im Orthopädietechnischen Zentrum Lichtenau, untersuchte den Storch zusammen mit der Melsunger Tierärztin Dr. Carmen Hufnagel, um zu schauen, ob er eine Prothese erhalten kann.

Regina und Lutz Rochelmeyer von der Greifvogelauffangstation in Beiseförth hatten Merlin zur Untersuchung gebracht. Um den Stress für den Storch zu verringern, bedeckten die Tierarzthelferinnen seine Augen mit einem Tuch.

Aufgabe ist Herausforderung

Alf Reuter ist zufrieden mit dem, was er sieht, als der Verband entfernt ist: Die Wunde heilt gut, das Gelenk ist noch vorhanden. Mit der neuen Prothese soll der Storch laufen und fliegen kann.

Der Orthopäde aus Hessisch Lichtenau hat vom Unglück des Storchs gehört und möchte nun gerne helfen. „Es ist eine echte Herausforderung, für einen so großen Vogel eine Prothese anzufertigen,“ erzählt Reuter begeistert. Er hat bereits klare Ideen und Vorstellungen, wie eine Dauerlösung für eine funktionale Prothese aussehen könnte.

Die Wunde wird in ein paar Wochen abgeheilt sein, dann wird ein Modell gefertigt, daraus dann die Prothese gebaut. Bis dahin wird regelmäßig der Verband gewechselt und die Wunde extrem weich abgepolstert werden, damit der Storch mit einem Provisorium auch selbst stehen kann.

Rat von Experten gesucht

Bei dem verletzten Tier handelt es sich um ein Weibchen, das noch mitten im Wachstum ist – es würde bei einer Fehlbelastung bleibende Schäden am Skelett zurück behalten, so fürchtet Dr. Carmen Hufnagel.

Sie würde für die Weiterbehandlung gern den Rat von einem Tierarzt einholen, der sich auf Knochenchirurgie spezialisiert hat, um die beste Behandlung für den Storch zu ermöglichen. Der Vogel hat bei der Familie Rochelmeyer in Beiseförth ein gutes vorläufiges Zuhause gefunden.

Wenn alle medizinischen Behandlungen in den nächsten Wochen abgeschlossen sind und Merlin gut mit seiner Prothese zurecht kommt, soll Schwarzstorch vermutlich in einem Zoo eine endgültige Heimat bekommen.

Von Christina Grenzebach

Quelle: HNA

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