Friederike Lorenz ist die neue Künstlerstipendiatin – Ausstellung ist Anfang Juni

Provokant, aber herzlich

Zeichnet im Atelier des Reuternhauses: Die gebürtige Vogtländerin Friederike Lorenz, 31 Jahre, wird in den kommenden Monaten im Malerdorf leben und arbeiten. Foto: Rose

Willingshausen. Friederike Lorenz ist für die kommenden drei Monate Wahl-Willingshäuserin: Die aus dem Vogtland stammende Zeichnerin ist die neue Künstlerstipendiatin und wird in den kommenden Monaten im Malerdorf leben und arbeiten. Anfang Juni sind ihre Werke in der Kunsthalle des Gerhard-von-Reutern- Hauses zu sehen. „Das Leben im und mit dem Dorf schätze ich als wichtige Erfahrung ein“, sagt die 31-Jährige.

Die erste Erfahrung war ein Praktikum beim Nachbarn, bei Metzger Bechtel. Friederike Lorenz schaute ihm beim Schlachten über die Schulter. „Mir hat gefallen, dass er das nicht beschönigt hat, sondern alles ganz authentisch ablief.“ Seitdem essen sie zwar kein Fleisch mehr, aber das werde sich wohl wieder geben. „Ich möchte in Willingshausen für mich ja möglichst viel Neues kennen lernen“, sagt Lorenz.

„Mich interessieren die schönen Seiten, aber auch Brüche, Spannungen und Dissonanzen.“

Friederike Lorenz

Neues, Dinge des öffentlichen und manchmal vielleicht nicht ganz so öffentlichen Ortslebens, aber auch ganz private Gedanken, fließen in ihre Tuschezeichnungen ein. „Mich interessieren die schönen Seiten, aber eben auch Brüche, Spannungen und Dissonanzen“, erklärt die junge Frau. Gerade genieße sie die Freiheit, ohne finanzielle Sorgen arbeiten zu können.

Ihre Arbeitstage sind strukturiert. Zwischen neun und halb Zehn am Morgen zückt sie im Atelier des Reuternhauses die Feder – bis zum Abend. Was ihr bislang aufgefallen ist, ist die Konzentriertheit des dörflichen Lebens. „All das erlebt man in Kassel auch – aber hier kann man nicht mal schnell das Quartier wechseln und wieder anonym sein“, sagt Lorenz.

Dorfleben nicht infrage stellen

„Aber ich bin mir sicher, dass einem negative Seiten generell stärker auffallen, als das, was gut läuft“, sagt die Künstlerin. Die Kunst gebe ihr die Möglichkeit, diese Seiten neu zu ordnen und in Form zu bringen. Ihre Arbeiten schätzt die 31-Jährige als provokant ein: „Das finde ich auch ganz in Ordnung. Aber ich will mit meinen Werken auf keinen Fall das Dorfleben infrage stellen. Denn so, wie sich manches in Willingshausen darstellt, trifft es auch auf viele andere Orte zu.“ Was Lorenz reizt, ist das Spiel mit Erwartungshaltungen, mit dem Überzeichen. Und genau das tut sie auch: Sie schraffiert, coloriert, fügt Schrift – oft Zitate oder Gedanken ein – ein, kritzelt und karikiert, transportiert und transformiert.

Lorenz möchte bewusst hinter Kulissen schauen, unter anderem hinter die der Fachwerkhäuser: „Es ist nicht allein die Konstruktion, die ich spannend finde. Es sind vor allem die Bewohner und ihre Geschichten“, sagt die Künstlerin.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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