100 Prozent Bioenergie: Wettesingen ist bei regenerativen Energien Vorbild

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Wettesingen hat nicht nur eine neue Heizzentrale, sondern wurde auch zum Bioenergiedorf ernannt (von links): Dieter Hösl (Vorstandsvorsitzende WEG), Ulrich Flörke (Vorstandsmitglied), Erhard Schmale (stellvertretender Vorstandsvorsitzender WEG) und Fritz Rappe (Aufsichtsratvorsitzender WEG).

Wettesingen. Alle 15 Minuten zischt es einmal laut im Kessel. Dann werden Pellets über eine Schneckenführung in den Brennraum gebracht. Insgesamt verfügt die neue Heizzentrale in Wettesingen über drei Kessel mit unterschiedlichen Leistungen und sorgt für warme Füße in den Haushalten.

Am Sonntag lud die Wettesinger Energiegenossenschaft (WEG) zum Tag der offenen Tür in ihre neue Anlage. 250 Mitglieder der Genossenschaft und Besucher informierten sich an diesem Tag über die Arbeit der WEG.

Seit dem 13. Dezember ist die Heizzentrale fertiggestellt. Nur für den Tag der offenen Tür wurde sie nun in Betrieb genommen. Ein Blockheizkraftwerk ist bereits im Einsatz. „60 Prozent des Nähwärmenetzes ist ausgebaut“, sagt Dieter Hösl, Vorstandsvorsitzender der WEG. Bis voraussichtlich zum Sommer wird der Ausbau abgeschlossen sein. Dann freuen sich die Wettesinger in 194 Haushalten über Wärme aus erneuerbaren Energien. Parallel zum Ausbau des Nahwärmenetzes wird ein Glasfasernetz für eine stabile Internetverbindung verlegt.

„Wir schreiben hier Geschichte“, sagt der Vorstandsvorsitzende stolz. „Wir nutzen Wärme zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien.“ Die WEG kauft bei der im Dorf ansässigen Biogasanlage Biorohgas, das dem Blockheizkraftwerk zugeführt wird. „Der dort produzierte Strom wird ins Netz gespeist und die Wärme bekommen die Haushalte“, sagt Dieter Hösl. „Auch die Abwärme der Biogasanlage nutzen wir.“ Das Blockheizkraftwerk sichert die Grundlast, während die Biogasanlage die Mittellast und die Heizzentrale die Spitzenlast abdeckt.

„Damit sparen wir nicht nur Energiekosten, sondern sind auch von den Großkonzernen unabhängig“, sagt Dieter Hösl. Aber nicht nur das: Am 27. November wurde Wettesingen zum Bioenergiedorf ernannt. „Wir haben in der Größenordnung ein einzigartiges Konzept in der Bundesrepublik Deutschland“, erklärt Vorsitzender Dieter Hösl sichtlich stolz.  

Als Generalunternehmer hat die Firma Viessmann das Projekt umgesetzt. „Wir sind froh, dass sie die Konzipierung und den Bau übernommen hat“, sagt Fritz Rappe, Aufsichtsratvorsitzender der WEG. „Das hätten wir Ehrenamtliche gar nicht geschafft.“ Auch Marco Ohme von der Firma Viessmann ist mit dem Projekt zufrieden. „Wettesingen ist deutschlandweit eines der größten Bioenergiedörfer, das sich komplett aus regenerativen Energien versorgt.“ Nach Bauabschluss begleite die Firma Viessmann das Projekt für fünf Jahre, um weitere Optimierungen vorzunehmen.

Von Johanna Uminski

Quelle: HNA

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