Geld oder Schläge

Erpressung von Schutzgeld: Gemüsehändler sollte monatlichen Obolus zahlen

Schwalm-Eder. Ein Gemüsehändler, der auch Kunden aus dem Schwalm-Eder-Kreis belieferte, soll Opfer einer Schutzgelderpressung geworden sein. Sein möglicher Peiniger, ein 38-jähriger Mann aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf, musste sich dafür in dieser Woche vor dem Amtsgericht Marburg verantworten.

Dem 38-Jährigen wird vorgeworfen, im Dezember sein vermeintliches Opfer an drei Tagen bedroht und Geld von ihm verlangt zu haben. Am dritten Tag soll er ihn auf dem Gelände eines Frankfurter Großhandels tätlich angegriffen haben.

Es war ein Prozessauftakt mit Hindernissen: Der Angeklagte war nicht freiwillig zur Verhandlung erschienen. Er musste von der Polizei geholt werden. Zwei Zeugen erschienen erst gar nicht vor Gericht.

Es kam heraus, dass sich Opfer und Beschuldigter von einer früheren Geschäftsbeziehung kennen, aktuell sind die beiden Männer allerdings ohne Arbeit. Der Angeklagte verfolgte die Aussagen des mutmaßlich Geschädigten mit einem Lächeln im Gesicht. Im Prozess wollte er nichts sagen, verweigerte die Aussage.

Mit Anrufen soll der Angeklagte den 58 Jahre alten Mann zunächst dazu aufgefordert haben, ihm 250 Euro pro Monat zu zahlen. In einem türkischen Café in Stadtallendorf soll er seiner Forderung Nachdruck verliehen und dem Mann gedroht haben, er werde ihn krankenhausreif schlagen, wenn er nicht zahle. Der Betreiber des Lokals, der die beiden Tatbeteiligten kennt, wollte dazu keine nähere Aussage machen. Er sei vom Angeklagten weggeschickt worden, weil die beiden anderen etwas zu bereden gehabt hätten.

Wenige Tage später hätten sich die beiden Männer nahe einem anderen Restaurant getroffen und im Auto des Angeklagten gesprochen. Der Geschädigte berichtete, der Angeklagte habe ihm dort wiederum gedroht.

Er habe aber auf seine sehr geringen Einnahmen hingewiesen und sich geweigert, Geld zu zahlen. Während der Gemüsehändler wenige Tage später den Großmarkt in Frankfurt besuchte, wo er üblicherweise seine Ware kaufte, soll er vom Angeklagten tätlich angegriffen worden sein.

Der Angeklagte habe, so die Aussage des Geschädigten, die Tür seines Wagens aufgerissen, ihn auf den Beifahrersitz gedrängt und ihn mehrfach ins Gesicht geschlagen. Das Opfer habe dann aber den Angeklagten zurückdrängen, die Tür verriegeln und wegfahren können.

Die Überwachungskameras des Areals hatten den Ort des Geschehens allerdings nicht im Blick. Ein Sicherheitsmann des Großhandels konnte aber außer Erklärungen zur Funktion der Kameras und den Örtlichkeiten des Großhandels nichts weiter zur Klärung des Falls beitragen.

Die Zeugenaussagen des Bruders des Angeklagten und des Chefs des Gemüsehändlers stehen noch aus. Der Prozess wird fortgesetzt.

Von Timo Lange

Quelle: HNA

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