Prozessbeginn am Landgericht Kassel

Missbrauch und Schläge: Junge Frau macht Vater schwere Vorwürfe

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Kassel. „Ich habe meine Kinder nie misshandelt, ich habe als alleinerziehender Vater auf so vieles verzichten müssen“, sagte der 54-jährige Angeklagte aus dem Schwalm-Eder-Kreis am Donnerstag vor dem Landgericht in Kassel. Er muss sich wegen mehrfachen Missbrauchs seiner Tochter verantworten.

Er habe Beweise, dass die Vorwürfe nicht stimmten, beteuerte er. Er vermute, seine Exfrau wolle ihm die Sache anhängen. Nach der Scheidung im Jahr 2000 war ihm das Sorgerecht für die Kinder zugesprochen worden. Die Tochter war am Donnerstag die erste Zeugin im Prozess. Mit zweien ihrer Brüder, so berichtete sie, habe sie sich nach der Scheidung dafür entschieden, statt bei ihrer Mutter beim Vater zu leben.

„Bis zum Alter von vier war ich die Prinzessin“, danach sei das Zusammenleben immer schwieriger geworden. Ihr Bruder habe damals darüber geklagt, dass die Kinder wie Sklaven zur Arbeit gezwungen würden. Der Vater habe jeden Schritt seiner Kinder kontrolliert, Ausgehverbote verhängt und Telefongespräche überwacht.

Im Alter von sechs Jahren sei sie zum ersten Mal in der Wohnung missbraucht worden. „Das geht niemanden etwas an“, habe ihr der Vater danach eingeschärft, wenn jemand davon erfahre, müssten die Kinder ins Heim, drohte er nach den Angaben der heute 19-Jährigen.

Vater und Kinder zogen danach mehrfach um, zuletzt nach Mecklenburg-Vorpommern, in die Heimat des Angeklagten. Bei diversen Gelegenheiten habe der Vater sie später nicht nur berührt, sondern auch den Geschlechtsverkehr mit ihr vollzogen, sagte die Tochter aus. Zunächst seien diese Übergriffe in größeren Abständen passiert, später wöchentlich, zeitweise täglich.

Wenn es zu einem Streit gekommen sei, habe sie der Vater zuweilen auch geschlagen, mit der Hand, mit der Faust und auf dem Höhepunkt mit einem Fleischklopfer. Irgendwann bemerkte eine Sportlehrerin die Verletzungen, im Jahre 2010 erzählte das Mädchen seiner Klassenlehrerin und der Mutter von den Missbrauchsfällen.

Es gebe, sagte der Staatsanwalt, ein Glaubwürdigkeitsgutachten für die Angaben der 19-Jährigen, er selbst finde sie durchaus glaubwürdig. Eine Gutachterin wird das Aussageverhalten im Gerichtssaal erneut bewerten.

Der Angeklagte blieb bei seiner Aussage. Seine Tochter, die später zur Mutter zog, sei von der Ex-Frau und seinem ältesten Sohn „bearbeitet“ worden. Das sei auch der Grund dafür gewesen, dass sich das Kind in der Schule nicht mehr konzentrieren konnte. Am heutigen Freitag wird der Prozess fortgesetzt.

Von Ralf Pasch

Quelle: HNA

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